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Die ungarische Sprache Wiki

Wieviele Fälle hat die ungarische Sprache

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Die berühmte Frage nach der Anzahl der Fälle im Ungarischen

Eine Quizfrage in "Wer wird Millionär" könnte lauten:

"Wie viele Fälle besitzt eigentlich die ungarische Sprache?"

15... oder 19... oder 23... oder 40... oder vielleicht sogar noch mehr?

Aber Halt! Das sind schon 5 Antwortmöglichkeiten, wo doch nur vier üblich sind.

Tatsächlich aber kursieren derart viele verschiedene Angaben und Gerüchte als Antwort auf diese Frage. Warum nur?

Wohl weil es noch nicht einmal dem Teufel gelungen ist, sie alle zu zählen, könnte man jetzt scherzhaft meinen.
Und der Teufel steckt bekanntermaßen im Detail - auch und gerade in der Sprachwissenschaft.
Anscheinend sind sich die gebildeten Geister im Falle der ungarischen Sprache darüber hoffnungslos zerstritten, was (ein) Fall ist und was nicht.


Informationsquelle Internet? Fehlanzeige!

Sucht man im Internet nach Informationen zu diesem Thema, findet man in deutscher Sprache zumeist nur detaillierte Ausführungen über die finnische Sprache und ihre Fälle.
Was hat das nun mit der ungarischen Sprache zu tun? Naja, es wird in den selben Texten stets eine Verwandtschaft des Finnischen mit dem Ungarischen erwähnt und der Hinweis, dass das Ungarische noch viel mehr Fälle aufweist.
Daher tauchen solche eher wenig sinnvollen Ergebnisse beim Einsatz von Google und vielen anderen Suchmaschinen auf.

Aber selbst die Schreiberlinge, die bei den Angaben über das Ungarische mit einer bestimmten Zahl der Fälle hantieren, lassen letzten Endes eine konkrete Benennung jener Fälle aus.

Sucht man nun in Internet-Publikationen, die in englischer Sprache verfasst wurden, wird die Sache leider auch nicht viel eindeutiger, auch wenn es hier eine noch größere Anzahl an Treffern gibt. Irgendwo zwischen 16 und 24 scheint man sich dann einig zu werden, was die Zahl der Fälle angeht. Aber auch hier wird nur selten eine Auflistung der Kasus geboten, die auch nie vollständig ist oder aber den Anspruch darauf erhebt.


Gar keine Fälle nach Meinung der Ungarn selbst

Tja, und diejenigen, die es doch eigentlich am besten wissen müssten, nämlich die Ungarn selbst, reden fast nie von Fällen!
Außer in Bezug auf Dativ und Akkusativ taucht der Begriff eset für den grammatikalischen Fall praktisch nicht auf.
In ungarischen Grammatiken ist zumeist von határozók (Umstandsbestimmungen), névutók (Postpositionen) und ragok (Nachsilben, Suffixen) die Rede.
Und auch in Lehrbüchern der ungarischen Sprache, die von Ungarn zum Beispiel für Deutsche verfasst wurden, wird nur von Fällen gesprochen, wenn die Analogien zu Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ aufgezeigt werden sollen.

Gute Lehrbücher weisen stets darauf hin, dass es im Ungarischen eben keine Präpositionen sondern nur Suffixe oder Postpositionen gibt und das diese kombiniert mit einem Substantiv nach ungarischem Verständnis stets Nominativformen(!) darstellen.

Und spätestens da werden alle Behauptungen über die schiere Anzahl an Fällen im Ungarischen ad absurdum geführt.


Die drei Fragen nach dem Ort

Außerdem wird bei der Darstellung speziell der Ortsbestimmungen gern mit Illustrationen gearbeitet, die nach den Fragen
Hova? (Wohin?), Hol? (Wo?) und Honnan? (Woher?)
gegliedert sind.
Das Erlernen wird so viel einfacher als ein stures Auswendiglernen, welche Präposition welchen Fall verlangt, wie es in der deutschen Sprache der Fall ist.

Aber mit dieser recht einfachen Sichtweise stehen die Ungarn mal wieder ganz allein da.

Genauso wenig wie ein Wähler den Worten eines Politikers traut, so wenig teilen die internationalen Sprachwissenschaftler die Ansicht der Ungarn über ihre eigene Sprache.
Und welcher Arzt hört schon auf die Worte seines Patienten...
Es können eben nicht einfach nur Orts-, Zeit- und Modalbestimmungen sein, nein, es müssen eben richtige "Fälle" sein. Punkt!


Der kleinste gemeinsame Nenner - und doch weit entfernt von der Wahrheit


Und diese "Fälle" erhalten dann Bezeichnungen, die so aussagekräftig wie klangvoll sind:
Nominativ, Akkusativ, Dativ, Possessiv, Instrumental, Final, Transformativ, Superessiv, Sublativ, Delativ, Inessiv, Elativ, Illativ, Adessiv, Allativ, Ablativ, Terminativ, Modal, Essiv, Temporal, Komitativ, Distributiv, temporaler Distributiv usw.

Tolle Worte, aber sie sagen einem gar nichts, wenn man kein Latinum hat!

Die eben aufgezählten Fälle sind ohnehin nur jene 23, die der ASSIMIL-Verlag in seinem Buch "Ungarisch ohne Mühe" aufgezählt hat.

Ausgerechnet 23?

Nein, mit den Illuminaten hat das nichts zu tun!
Es handelt sich bei dieser Anzahl quasi um den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die Wissenschaftler einigen konnten.

Und ASSIMIL betont, dass es noch weitere Fälle im Ungarischen gibt.



Umstandsbestimmungen und keine Fälle

Als Autor dieser Seiten mag ich mich nicht an Spekulationen über die Anzahl der Fälle beteiligen. Ich schließe mich einfach der Meinung der Ungarn an und werde fortan von Umstandsbestimmungen (UB) schreiben statt von Fällen.

Generell unterscheidet man die UB nach Orts-, Zeit- und Modalbestimmungen. Für letztere benutzt man als besser verständlichen Begriff auch die Bezeichnung "Umstandsbestimmung nach Art und Weise".

Diese Unterteilung kennt man so auch im Ungarischen.
Da alle drei Teilbereiche aber sehr ausführliche Beschreibungen brauchen, habe ich für jede Gruppe ein eigenes Kapital gewidmet.

Nur soviel noch zum Abschluss dieses Kapitels:

Wenn also jeder Umstandsbestimmung ein Fall entsprechen sollte, wie viele Fälle mag es dann wohl geben?
Nun, die Zahl 40 reicht nicht aus!
Die endgültige Antwort wird hier noch nicht verraten.
Viel Spaß daher beim Stöbern auf den Seiten über die Umstandsbestimmungen!

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