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Die ungarische Sprache Wiki

Ortsbestimmungen

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Klassifizierung der Umstandsbestimmungen des OrtesBearbeiten

Im Beitrag Wieviele Fälle hat die ungarische Sprache ist bereits erläutert worden, warum es im Ungarischen so vermeintlich viele Fälle gibt und dass es sich dabei zumeist um Umstandsbestimmungen handelt, im Folgenden mit UB abgekürzt


Die Ungarn klassifizieren ihre Ortsbestimmungen zunächst nach folgenden Merkmalen:

  1. Geschehen innerhalb eines Objektes
  2. Geschehen auf der Oberfläche eines Objektes
  3. Geschehen in der Nähe eines Objektes
  4. Geschehen im erweiterten Raum

Jene vierte Gruppe ist die umfangreichste, da sie gewissermaßen ein Sammelbecken für alle Ortsbestimmungen ist, die nicht in die ersten drei Gruppen gehören.

Die drei Fragen: Wohin? Wo? Woher?Bearbeiten

In allen vier Fällen wird dann weiter unterschieden, ob es um eine ruhende Handlung oder um eine Bewegung geht. Im Falle einer Bewegung wird dann noch danach unterschieden, ob die Bewegung hin zum Objekt oder aber weg von ihm erfolgt.

Charakterisiert wird dies durch folgende Fragen:

  • Hova? (Wohin?)
  • Hol? (Wo?)
  • Honnan? (Woher?)


Aber nicht für jede Bestimmung lässt sich eine spezielle Form auf jede der drei Fragen finden. So kann man zwar für die inneren Verhältnisse eines Objektes alle drei Möglichkeiten besetzen...

  • in ein Haus hinein (Wohin?)
  • in einem Haus (Wo?)
  • aus einem Haus heraus (Woher?)


... aber für folgenden Fall gibt's keine Möglichkeit des "Woher?"

sich um den Tisch herum setzen (Wohin?)
um den Tisch herum sitzen (Wo?)

Und für die Bestimmung einer Richtung, in die man sich bewegt, kann es keine "Wo?" - Form geben, denn die Frage "Wo?" widerspricht dem Gedanken der Bewegung.


Die Suffixe für Handlungen im InnerenBearbeiten

Es soll aber zunächst einfach und bescheiden losgehen.

Als Erstes sollen jene UB beschrieben werden, die für Handlungen in Bezug auf die inneren Verhältnisse eines Ortes/Objektes bezogen sind.

Folgende Suffixe werden für deren Darstellung gebraucht:

Fragen Suffixe deutsche Entsprechung
hova? -ba, -be in + Akkusativ (Bewegung ins Innere)
hol? -ban, -ben in + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis im Inneren)
honnan? -ból, -ből aus (Bewegung aus dem Inneren heraus)

Diese Suffixe werden den entsprechenden Einzahl- oder Mehrzahlformen angehängt. Auch hier gilt wieder, dass -a und -e im Wortauslaut gedehnt werden.



Anhand der Beispiele ház (das Haus), utca (die Straße) und zsemle (das Brötchen) und ihrer jeweiligen Pluralformen soll dies nun dargestellt werden.

Hova? Hol? Honnan?
ház házba ins Haus házban im Haus házból aus dem Haus
házak házakba in die Häuser házakban in den Häusern házakból aus den Häusern
utca utcába in die Straße utcában in der Straße utcából aus der Straße
utcák utcákba in die Straßen utcákban in den Straßen utcákból aus den Straßen
zsemle zsemlébe in das Brötchen zsemlében im Brötchen zsemléből aus dem Brötchen
zsemlék zsemlékbe in die Brötchen zsemlékben in den Brötchen zsemlékből aus den Brötchen


Mazsola van a zsemlében. - Im Brötchen sind Rosinen.
Jövök a házból. - Ich komme aus dem Haus.
Megyek a Kossuth utcába. - Ich fahre in die Kossuth Straße (hinein).



Sprachwissenschaftlich betrachtet hast Du als Leser nun gleich drei(!) neue Fälle kennengelernt.
Nämlich Illativ, Inessiv und Elativ entsprechend der Reihenfolge in den Tabellen.
Aber das sei mal nur so am Rande erwähnt.

Merken sollte man sich einfach nur:

wo hinein? -ba/-be
wo drin? -ban/-ben
wo heraus? -ból/ -ből

So schwer sollte das auch nicht sein.

Die Suffixe der Handlungen an der OberflächeBearbeiten

Und damit gehts nun weiter bei den UB, die für Handlungen an der Oberfläche charakteristisch sind.

Hier treten folgende Suffixe in Erscheinung:

Fragen Suffixe deutsche Entsprechung
hova? -ra, -re an, auf + Akkusativ (Bewegung auf die Oberfläche zu)
hol? -n, -on, -en, -ön an, auf + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis auf der Oberfläche)
honnan? -ról, -ről von (Bewegung von der Oberfläche weg)


Auch hier gilt wiederum, was schon für die Suffixe der inneren Verhältnisse gilt.

Auffallend ist, dass auf die Frage Hol? gleich vier Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Aber dies lässt sich ganz logisch durch die Vokalharmonie erklären.
Das Version -n wird gebraucht, wenn Worte vokalisch enden.
Die drei anderen Varianten tauchen bei konsonantischem Wortauslaut entsprechend dem Vokalismus auf.

Allerdings gibt es Substantive, die bei der Bildung des Akkusativs oder des Plurals einen Vokalausfall erleiden. Und an diese verkürzte Form müssen dann auch die Suffixe -on / -en / -ön angefügt werden.
Bei den v-Stamm-Wörtern muss dieses Suffix an die erweiterte Form angefügt werden.



Als Beispiel dazu wieder ház, utca und zsemle, sowie terem (der Saal) und (das Pferd)

Hova? Hol? Honnan?
ház házra auf das Haus házon auf dem Haus házról vom Haus (herab)
házak házakra auf die Häusern házakon auf den Häusern házakról von den Häusern (herab)
utca utcára auf die Straße utcán auf der Straße utcáról von der Straße (herunter)
utcák utcákra auf die Straßen utcákon auf den Straßen utcákról von den Straßen (herunter)
zsemle zsemlére auf das Brötchen zsemlén auf dem Brötchen zsemléről von dem Brötchen (herab)
zsemlék zsemlékre auf die Brötchen zsemléken auf den Brötchen zsemlékről von den Brötchen (herab)
terem teremre auf den Saal termen auf dem Saal teremről von dem Saal
termek termekre auf die Säle termeken auf den Sälen termekről von den Sälen
lóra auf das Pferd lovon auf dem Pferd lóról vom Pferd (herab)
lovak lovakra auf die Pferde lovakon auf den Pferden lovakról von den Pferden (herab)


Ülök a lovon. - Ich sitze auf dem Pferd.
Megyek az utcára. - Ich gehe auf die Straße.
Leesett a házról. - Er ist vom Haus gefallen.

Dran denken: "leesett" spricht sich wie "lä-äschätt", also doppelt artikulierter ä-Laut und sehr intensives - aber bitte nicht zu feuchtes - t am Ende.



Und man mag es kaum für möglich halten, aber schon wieder bist Du als interessierter Leser mit drei weiteren sogenannten Fällen der ungarischen Sprache vertraut geworden. Entsprechend der Reihenfolge in den eben aufgeführten Tabellen lauten sie: Sublativ, Superessiv und Delativ.

Auch hier noch die kurze Zusammenfassung:

wohin drauf? -ra / -re
wo drauf? -n / -on / -en / -ön
wo herunter? -ról / -ről

Die Suffixe für Handlungen in der näheren UmgebungBearbeiten

Schließlich folgen nun noch die UB über die Außenverhältnisse, also Geschehnisse in der unmittelbaren Nähe eines Objektes.

Hierfür finden sich in der ungarischen Sprache folgende Suffixe:

Fragen Suffixe deutsche Entsprechung
hova? -hoz, -hez, -höz zu (Bewegung in die unmittelbare Nähe von jemandem oder etwas)
hol? -nál, -nél bei, an + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis in der unmittelbaren Nähe von jemandem oder etwas)
honnan? -tól, -től von (Bewegung von der unmittelbaren Nähe weg.)

Auch hier heißt es wieder: Dehnung von -a und -e im Auslaut eines Wortes nicht vergessen.



Und auch hier wieder ein paar Beispiele, um das Ganze verständlicher zu machen, diesmal anhand der Substantive ház, szék (der Stuhl) und fa (der Baum)

Hova? Hol? Honnan?
ház házhoz zum Haus hin háznál beim Haus háztól vom Haus weg
házak házakhoz zu den Häusern hin házaknál bei den Häusern házaktól von den Häusern weg
szék székhez zum Stuhl hin széknél bei dem Stuhl széktől von dem Stuhl weg
székek székekhez zu den Stühlen hin székeknél bei den Stühlen székektől von den Stühlen weg
fa fához zum Baum hin fánál bei dem Baum fától vom Baum weg
fák fákhoz zu den Bäumen hin fáknál bei den Bäumen fáktól von den Bäumen weg


Állok egy régi háznál. - Ich stehe bei einem alten Haus.
Odamegy a székhez. - Er geht zu dem Stuhl hin.
Gyere el a fától! - Komm von dem Baum weg!



Ja, man kann es sich vielleicht schon denken.
Auch diese drei Suffixe werden sprachwissenschaftlich als eigene Fälle angesehen, die da heißen: Allativ, Adessiv und Ablativ.

Kaum zu fassen, wie man innerhalb von so kurzer Zeit gleich neun Fälle auf einen Schlag vermitteln kann...

Und auch hier noch einmal die Zusammenfassung:

wohin zu? -hoz /-hez / -höz
wo in der Nähe? -nál / -nél
von wo aus? -tól / -től

Das Zusammenspiel der Suffixe mit den DemonstrativpronomenBearbeiten

Wir kennen es ja aus der deutschen Sprache:

Nominativ dieser Baum
Genitiv dieses Baumes
Dativ diesem Baum
Akkusativ diesen Baum



Die Bezeichnung der Fälle geschieht vor allem durch die Artikel oder aber durch Pronomen, in diesem Fall durch das Demonstrativpronomen "dieser".

Im Ungarischen sieht es etwas anders. Der bestimmte Artikel a / az bleibt grundsätzlich unverändert. Kommt ein Demonstrativpronomen ins Spiel, bleibt der Artikel bestehen, das Pronomen wird dem Fall angepasst.

Nominativ ez a fa az a fa
Dativ ennek a fának annak a fának
Akkusativ ezt a fát azt a fát



Da der Genitiv im Ungarischen nicht existiert, wird er hier weggelassen.

Den beiden Demonstrativpronomen ez und az wird also - wie man sieht - auch in diesen Fällen das entsprechende Suffix angefügt.



Ungewöhnlich aber wird es, wenn man nun jene eben vermittelten Suffixe ins Spiel bringt. Denn was im Deutschen gar nicht möglich ist, ist im Ungarischen ein Gebot:
Das Demonstrativpronomen nimmt stets auch das Suffix des Objektes an, auf das es sich bezieht. Und dabei finden sehr oft Konsonantenangleichungen statt:


ebben a fában abban a fában in diesem/jenem Baum
erre a fára arra a fára auf diesen/jenen Baum
ettől a fától attól a fától von diesem/jenem Baum (weg)

Diese Bildungsvorschrift ist wohl auch einer der Gründe, warum man jene Suffixe als Fälle bezeichnet.



Wie bereits erwähnt, werden durch die Suffixe bei dem Demonstrativpronomen ez und az Änderungen der Konsonanten hervorgerufen. Das z im Auslaut wird einfach dem ersten Konsonanten des Suffixes angeglichen.
Folgende Formen erhalten die Pronomen ez und az:

Aus.... wird: Aus... wird:
ez + be ebbe az + ba abba
ez + ben ebben az + ban abban
ez + ből ebből az + ból abból
ez + re erre az + ra arra
er + ről erről az + ról arról
ez + hez ehhez az + hoz ahhoz
ez + nél ennél az + nál annál
ez + től ettől az + tól attól

Wie man sieht, hat der Name jener erfolgreichsten schwedischen Popgruppe der 1970er und 1980er Jahre im Ungarischen auch eine Bedeutung, wenn auch eine recht banale.



Beim Suffix -n, -o, -en, -ön dagegen ändert sich nichts.
Aus ez + -en wird einfach ezen, aus az + -on einfach azon.

Das gleiche passiert übrigens auch bei den Mehrzahlformen ezek und azok. Hier werden die Suffixe einfach angefügt ohne irgendwelche Änderungen.

Ein paar Beispiele dazu:

Felmegyünk azokra az emeletekre. Wir gehen in jene Stockwerke hoch.
Bemegyünk ezekbe a laboratóriumokba. Wir gehen in diese Laboratorien hinein.
Ezekben a boltokban nem szeretek bevásárolni. In diesen Geschäften mag ich nicht einkaufen.




Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Wendungen, die man nicht 1:1 übersetzen kann, weil die Ungarn eine etwas andere Sichtweise entwickelt haben als die Deutschen.

az egyetemen - an der Universität
A pályaudvarra megyünk. - Wir gehen zum Bahnhof
A vonat befut a pályaudvarra. - Der Zug fährt in den Bahnhof ein.
A bolt ott van a sarkon. - Der Laden ist dort an der Ecke.

Man geht also...

auf die Universität,
auf den Bahnhof,
auf die Ecke

und befindet sich...

auf der Universität,
auf dem Bahnhof,
auf der Ecke

und geht...

von der Universität,
vom Bahnhof oder
von der Ecke (runter).

Das besondere Zusammenspiel der Ortssuffixe mit Orts- und LändernamenBearbeiten

Ausländische Länder- und Städtenamen (aus Sicht der Ungarn)Bearbeiten


Eine weitere Besonderheit hat sich im Ungarischen bei der Suffigierung der Orts- und Ländernamen entwickelt.
Sämtliche ausländischen Orts- und Landesbezeichnungen versehen die Ungarn auf die Fragen "Hova?", "Hol?" und "Honnan?" mit den Suffixen -ba/-be, -ban/-ben bzw. -ból/-ből.

Németországba - nach Deutschland
Németországban - in Deutschland
Németországból - aus Deutschland

Ausztriába - nach Österreich
Ausztriában - in Österreich
Ausztriából - aus Österreich

Lipcsébe - nach Leipzig
Lipcsében - in Leipzig
Lipcséből - aus Leipzig


Die Suffigierung des eigenen Landes (aus Sicht der Ungarn)Bearbeiten

Wenn sich die Ungarn aber auf ihr eigenes Land und seine Städte beziehen, dann liegt die Sache etwas anders.
Das eigene Land, Magyarország, versieht man mit den Suffixen für die Oberfläche!

Magyarországra - nach Ungarn
Magyarországon - in Ungarn
Magyarországról - aus Ungarn

Wörtlich genommen also fährt oder befindet man sich also "auf" Ungarn und fährt "vom" Ungarn weg.
Es scheint fast, als wolle man dem eigenen Land dadurch eine (ab-)gehobene Stellung gegenüber dem Rest der Welt verschaffen.

Aber ganz so ungewöhnlich ist diese Sichtweise nicht. Im Schweizerdeutschen etwa fährt man "uf Basel" oder kommt "vo Basel". Jedoch ist man dann letzten Endes "z'Basel" gewesen. Hier werden also die Präpositionen "auf", "von" und "zu" verwendet.

Die Suffigierung der ungarischen StädteBearbeiten

Schwierig wird es dann bei den ungarischen Städtebezeichnungen. Denn mal verwendet man die Suffixe des Innenlebens, so wie wir Deutschen es auch tun, und dann mal wieder die der Oberfläche.
Woher um alles in der Welt soll man nun als Ungarisch Lernender wissen, welche Stadt nun einen Höhenflug braucht und welche nicht?

Ganz so schwer ist es nicht, denn dieses entscheidet sich einzig und allein nach dem Wortstammende.
Alle Ortsnamen, die auf -j, -m, -n, -ny und -i enden, erhalten die Suffixe des Innenraums.
Alle anderen gelten gewissermaßen als erhaben und erhalten die Suffixe der Oberfläche.

Also:

Tokajba, Debrecenbe, Tihanyba...

aber:

Budapestre, Miskolcra, Szegedre...



Die persönlichen Formen der OrtssuffixeBearbeiten

Wie schon beim Dativ, beim Akkusativ und auch bei den Besitzverhältnissen gibt es für die Ortsverhältnisse ebenfalls persönliche Formen. Sie kommen sowohl im Deutschen als auch im Ungarischen sehr häufig vor.

Formulierungen wie "von mir aus", "auf dich komme ich noch zurück" oder "aus dir wird nie etwas." lassen sich quasi wortwörtlich übersetzen, was zwischen Deutsch und Englisch dagegen oft unmöglich ist.

Allerdings sehen die ungarischen Formen wieder etwas anders aus als die deutschen, vor allem sind sie kürzer.
Die Bildungsweise ist vom Prinzip her sehr einfach: man fügt dem Suffix das entsprechende Besitzerzeichen an.

Das Problem ist viel eher, dass man diese persönlichen Formen eben doch auswendig lernen sollte, weil immer nur eines der gegebenen Suffixe für ihre Bildung herangezogen werden kann.

So heißt "in mir" eben bennem, und "von mir" heißt rólam. Die Formen bannam und rőlem existieren nicht!
Außerdem gibt es auch Fälle, wo Buchstaben eingeschoben werden, um die Aussprache zu verbessern.
Für das Suffix -n / -on / -en / -ön entsteht gar ein völlig neues Wort.



Hier nun also die komplette Auflistung der personenbezogenen Ortsbestimmungen:

Hova? Hol? Honnan?
belém (in mich usw.) bennem (in mir usw.) belőlem (aus mir usw.)
beléd benned belőled
bele (belé, beléje) benne belőle
belénk bennünk belőlünk
belétek bennetek belőletek
beléjük bennük belőlük
rám reám (auf mich usw.) rajtam (auf mir usw.) rólam (von mir usw.)
rád reád rajtad rólad
rá (rája) reá (reája) rajta róla
ránk reánk rajtunk rólunk
rátok reátok rajtatok rólatok
rájuk reájuk rajtuk róluk
hozzám (zu mir usw.) nálam (bei mir usw.) tőlem (von mir usw.)
hozzád nálad tőled
hozzá (hozzája) nála tőle
hozzánk nálunk tőlünk
hozzátok nálatok tőletek
hozzájuk náluk tőlük

Für die Formen rám und reám und die weiteren dieser Reihe gilt: sie sind gleichwertig.
Aber die Umgangssprache zieht in der Regel die kürzere Form vor.



Die Möglichkeit der besonderen Betonung der PersonBearbeiten

Bei den Besitzerzeichen war es bereits erwähnt worden.
Auch hier ist es möglich, Personen als solche noch besonders zu betonen, indem man den Formen ein Personalpronomen veranstellt.
Auch hier steht in der 3.Person Mehrzahl wieder nur ő statt ők.
Außerdem werden diese Formen nun zusammengeschrieben:

énbennem, tebenned, őbenne, mibennünk, tibennetek, őbennük

... um mal eine der Reihen als Beispiel für die Hervorhebung der Person aufzuzeigen.

Dazu nun ein paar konkrete Beispiele:

(Én)nálam nincs a te könyved. Dein Buch ist nicht bei mir.
Mindenki (ti)tőletek várja a megoldást. Jeder wartet auf die Lösung von euch.
(Mi)hozzánk ma nem jön senki. Heute kommt keiner zu uns.
(Te)belőled nem lesz semmi! Aus dir wird nichts!
(Ő)róluk beszél most mindenki. Jeder spricht jetzt über sie.
(Ő)rajta van az egész teher. Auf ihm liegt die ganze Last.

Kombination von Ortssuffixen und BesitzerzeichenBearbeiten

Wie es schon an anderer Stelle erwähnt wurde, können Substantiven mit Besitzerzeichen auch noch andere Suffixe angefügt werden, also auch die der Ortsbestimmungen.
Und da kann man als Deutscher nur staunen, wie kurz manche Ausdrücke im Ungarischen doch sein können.

a fámnál bei meinem Baum
a fádon auf deinem Baum
a fáiról von seinen Bäumen
a fáinkhoz zu unseren Bäumen
a fáitokból aus euren Bäumen
a fájukba in ihren Baum



Die Ortsbestimmungen im erweiterten RaumBearbeiten

Die nun vorgestellten Suffixe sind - wie schon gesagt - allesamt Ortsbestimmungen. Aber damit sind noch längst nicht alle Ortsbestimmungen abgehandelt. Denn neben jenen Bestimmungen für den engeren Raum existieren auch noch die Bestimmungen für den erweiterten Raum. Eingangs wurde dies bereits angedeutet.

Und an dieser Stelle soll der interessierte Leser zum ersten Mal mit den Postpositionen genauer vertraut gemacht werden.
Der Begriff Postposition klingt für deutsche Ohren zunächst etwas eigenartig. Wer diesen Begriff das erste Mal hört, wird vielleicht irritiert denken: "Häh? Eine Position, wo sich die Post befindet?" All denjenigen sei gesagt, dass sich das Wort "Post" vom lateinischen "post" ableitet, was unserem deutschen "nach" entspricht.
Und "nach" ist eine Präposition.
"prä" stammt ebenfalls aus dem lateinischen und bedeutet "vor".
Da wir im Deutschen unsere UB stets vor dem Bezugswort haben, nennt man sie wissenschaftlich "Präpositionen".
Im Ungarischen aber stehen die UB immer hinten dran. Dabei kann es sich zum Beispiel um Suffixe handeln, die ans Wortende angefügt werden.
Oder aber - und das ist jetzt neu - es handelt sich um Postpositionen. Gemeint sind damit also UB-Worte , die nach dem Bezugswort stehen.



Die Eigenständigkeit jener Postpositionen gegenüber Suffixen ist aber noch nicht der einzige Unterschied, der sich hier auftut.
Suffixe sind stets einsilbig, Postpositionen zumeist zweisilbig.
Suffixe haben mit wenigen Ausnahmen stets zwei Formen, die der Vokalharmonie entsprechend verwendet werden müssen. Postpositionen dagegen existieren immer nur in einer Form.

Auch die Postpositionen werden wiederum nach den Formen geordnet, die sie entsprechend den Fragen Hova?, Hol? und Honnan? erhalten.



Die Postpositionen des RaumsBearbeiten

Hier nun also eine Auflistung jener Postpositionen, die für die Bestimmungen im Raum wichtig sind:

Hova? Hol? Honnan?
elé vor (hin) + Akkusativ előtt vor + Dativ elől von (weg) + Dativ
mögé hinter (hin) - Akkusativ mögött hinter + Dativ mögül hinter (weg, hervor) + Dativ
fölé über (hin) + Akkusativ fölött über + Dativ fölül über (weg, herunter) + Dativ
alá unter (hin) + Akkusativ alatt unter + Dativ alól unter (heraus, hervor) + Dativ
mellé neben (hin) + Akkusativ mellett neben + Dativ mellől von etwas her + Dativ
közé zwischen (hin) + Akkusativ között zwischen + Dativ közül zwischen (durch) + Dativ
köré um (hin) körül um (herum) - -
felé zu, nach (in die Richtung), gegen - - felől von, aus (der Richtung)




Im Deutschen muss man sich den Umstand machen und sich für jede dieser aufgeführten UB erst einmal die entsprechende Präposition merken; dann muss, je nachdem, ob eine - und wenn ja - welche Bewegung ausgeführt, entweder der Dativ oder der Akkusativ angewendet werden; zudem braucht es auf die Frage "Woher?" zumeist noch ein richtungsbestimmendes Wort, wie "herab", "herauf", "hervor" usw.

Im Ungarischen drückt man all dies mit einem Wort aus. Hier muss man sich lediglich den Wortstamm für eine UB merken und die entsprechende Endung für die Bewegung oder den Ruhefall anhängen.

Auf die Frage Hova? ist diese Endung stets ein oder .
Auf die Frage Hol? ist dies stets ein -tt. (Ausnahme: körül)
Auf die Frage Honnan? ist dies ein -ól, -ől oder -ül.

Ein paar Beispiele dazu:

A tükör előtt állok. Ich stehe vor dem Spiegel.
Gyere az ágy alól! Komm unter dem Bett hervor!
A fa melett állsz. Du stehst neben dem Baum.
Rejtözz el a szekrény mögé! Verstecke dich hinter dem Schrank!
A busz Berlin felé megy. Der Bus fährt Richtung Berlin.

Die persönlichen Formen der PostpositionenBearbeiten

Wie schon bei den Suffixen, gibt es auch bei den Postpositionen Formen, die den Bezug auf eine Person ausdrücken. Man nennt sie daher auch die "persönlichen Postpositionen".
Auch sie werden gebildet, indem an die benötigte Postposition das entsprechende Besitzerzeichen anfügt wird.
Das schöne hierbei: da die Postpositionen nur in einer Form existieren, also nicht der Vokalharmonie entsprechende Ausprägungen besitzen, muss man nicht erst nach der richtigen Form suchen.



Als Beispiel seien hier die Formen von elé / elött / elől und alá / alatt / alól aufgeführt, um jeweils ein hoch- und ein tiefvokalisches Beispiel zu bieten:


Hova? Hol? Honnan?
elém vor mich előttem vor mir előlem vor mir weg
eléd vor dich előtted vor dir előled vor dir weg
elé, eléje vor ihn előtte vor ihm előle vor ihm weg
elénk vor uns előttünk vor uns előlünk vor uns weg
elétek vor euch előttetek vor euch előletek vor euch weg
eléjük vor sie előttük vor ihnen előlük vor ihnen weg
alám unter mich alattam unter mir alólam unter mir hervor
alád unter dich alattad unter dir alólad unter dir hervor
alá, alája unter ihn alatta unter ihm alóla unter ihm hervor
alánk unter uns alattunk unter uns alólunk unter uns hervor
alátok unter euch alattatok unter euch alólatok unter euch hervor
alájuk unter sie alattuk unter ihnen alóluk unter ihnen hervor


Selbstverständlich stehen die Formen der 3.Person Einzahl (z.B.: alá) auch für die im Deutschen entsprechenden weiblichen und sächlichen Formen "unter sie", "unter es" bzw. "darunter". Sie sind hier nur aus Platzgründen weggelassen worden.



Wer sich noch für die persönlichen Formen der anderen bereits erwähnten Postpositionen interessiert, klickt bitte einfach im Folgenden die entsprechenden Worte an. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden sie auf extra Seiten untergebracht.

mögé / mögött / mögül fölé / fölött / fölül mellé / mellett / mellől
közé / között / közül köré / körül felé / felől

Hier nun ein paar Beispiele für die Anwendung der persönlichen Formen der Postpositionen:

Géza meglát engem és siet felém. Géza erblickt mich und eilt auf mich zu.
Mögöttünk vannak a hegyek, előttünk a város Hinter uns sind die Berge, vor uns liegt die Stadt.


Was die Bedeutung der eben aufgeführten Formen der Postposition allatt (unter) angeht: sie beschreibt eine konkrete räumliche Beziehung. Etwa in dieser Art:

Allattunk a földszinten lakik egy öreg asszony. Unter uns im Erdgeschoss wohnt eine alte Frau.
Allattunk a völgyben van a város. Unter uns im Tal liegt die Stadt.


Anders sieht es aus, wenn mit "unter uns" die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gemeint ist. In diesem Fall sagen die Ungarn nämlich nicht "unter uns" sondern "zwischen uns"

Közöttünk külföldiek vannak. Unter uns gibt es Ausländer.



Einige der Postposition auf die Frage Hova? und Hol? werden auch als Verbalvorsilben benutzt:

aláír - unterschreiben
melléáll - jemandem beistehen
eléjön - jemandem entgegen kommen

körülír - umschreiben
körülnéz - umsehen



Die persönlichen Postpositionen mit Hervorhebung der PersonBearbeiten

Auch für die Postpositionen gilt:
Soll mit Nachdruck auf die Person hingewiesen werden, kann dies - wie auch schon bei den persönlichen Formen der Suffixe - durch ein Voranstellen des entsprechenden Personalpronomens ermöglicht werden.
Diese Formen werden dann zusammengeschrieben.
Und auch hier gilt wieder: in der 3.Person Mehrzahl wird nicht ők sondern nur ő verwendet.

Am Beispiel von alá sei dies einmal dargestellt:

énalám, tealád, őalá, mialánk, tialátok, őalájuk

Das Zusammenspiel der Postpositionen mit den DemonstrativpronomenBearbeiten

Selbstverständlich können die Postpositionen auch mit den Demonstrativpronomen kombiniert werden.
Hier passiert dann das gleiche, was schon bei den Suffixen erklärt wurde: sowohl dem Pronomen als auch dem Objekt muss die Postposition nachgestellt werden, was für deutsche Augen und Ohren doppelt gemoppelt aussieht.

Hier tritt zusätzlich noch folgendes Fänomen auf: beginnt die Postposition mit einem Mitlaut, dann fällt bei ez und az das z weg, der nachfolgende Mitlaut wird jedoch länger artikuliert.

Beispiele:

ez alatt az asztal alatt unter diesem Tisch
az előtt a kapu előtt vor jenem Tor
e mellett a fa mellett neben diesem Baum
a fölött az ablak fölött über diesem Fenster
Ott, a mögött az ablak mögött van az én szobám. Dort, hinter jenem Fenster ist mein Zimmer.


Nun sind solche Formulierungen aber auch den Ungarn mitunter zu lang, und so hat sich für das Pronomen ez eine Form entwickelt, der keine Suffixe und Postpositionen angefügt werden.
Diese Kurzform lautet einfach e. Nicht zu verwechseln mit der auf der vorangegangenen Seite genannten Änderung von ez vor bestimmten Postpositionen!

Wird diese Kurzform eingesetzt, sehen die eben genannten Beispiele, in denen e(z) auftaucht, so aus:

e napon (=ezen a napon) születtem an diesem Tag war ich geboren worden
e fa mellett (=e mellett a fa mellett) neben diesem Baum
E kérdésre (=erre a kérdésre) nem felelek. Auf diese Frage antworte ich nicht.
E példából (=ebből a példából) látjuk. An diesem Beispiel sehen wir es.

Nun ja, am letzten Satz sehen wir als Deutsche, dass man im Ungarischen etwas Bestimmtes "aus einem Beispiel heraus" sieht.

Kurz- und Langform sind gleichwertig und stilistisch einwandfrei. Vor allem aber für Poeten ist die Kurzform ein sehr willkommenes Stilmittel.

Aber dran denken: diese Kurzform existiert nur für ez.



Postpositionen, die auf Hilfe der Suffixe angewiesen sindBearbeiten

Damit sind aber die Orts-UB noch nicht ganz vollständig.

Es fehlen nämlich noch einige Postpositionen. Die allerdings haben gegenüber den bereits bekannten Vertretern ihrer Art eine kleine Einschränkung: sie benötigen die Hilfe anderer Suffixe, um richtig angewendet werden zu können.

Da wäre zunächst eine Gruppe von Postpositionen, die auf die Hilfe der Ortssuffixe für die Bestimmung "sich auf etwas befinden" angewiesen ist.
In Wörterbüchern erkennt man derartige Ergänzungsbestimmungen daran, dass die entsprechende Postposition mit dem Hinweis valakin / valamin (auf jemandem / auf etwas) versehen ist.

Und das sind sie nun:

valakin oder valamin kívül außer, außerhalb
belül innerhalb
felül oberhalb
alul unterhalb
innen diesseits
túl jenseits
át durch, über
keresztül durch, über
végig entlang, bis zu Ende



valakin / valamin kívül = außer, außerhalbBearbeiten

Zunächst ein paar Ausführungen zu valakin / valamin kívül.

Es steht für ein "sich außerhalb befinden", entspricht aber auch in vielen Fällen der deutschen Präposition "außer" - aber immer daran denken, dass es sich dabei um eine Ortsbestimmung handeln muss.

az országon kívül außerhalb des Landes
kívül s belül innen und außen
munkaidőn kívül außerhalb der Arbeitszeit


Redewendungen wie "außer Stande sein, etwas zu tun" und "es steht außer Frage" oder auch "der Minister des Äußeren" werden im Ungarischen nicht mit kívül gebildet.



Für kívül können auch persönliche Formen gebildet werden. Und dies kann auf zweierlei Art geschehen:

Entweder auf die schon bekannte Art durch Anhängen der Besitzerzeichen...

kívülem kívüled kívüle kívülünk kívületek kívülük
außer mir außer dir außer ihm außer uns außer euch außer ihnen


...oder aber unter Berücksichtigung des Hilfssuffixes, welches dann die Besitzerzeichen übernimmt und dem dann kívül folgt.

rajtam kívül rajtad kívül rajta kívül rajtunk kívül rajtatok kívül rajtuk kívül
außer mir außer dir außer ihm außer uns außer euch außer ihnen


Ein Beispiel:

Rajtam kívül mindenki jól van. Außer mir geht es allen gut.


valakin / valamin át, valakin / valamin keresztül = durchBearbeiten

Der deutschen Präposition "durch" entsprechen im Ungarischen gleich zwei Postpositionen, nämlich valakin / valamin át und valakin / valamin keresztül, wie man aus der Auflistung schon entnehmen konnte. Manchmal wird im Deutschen statt "durch" auch "über" verwendet.

Wo liegt nun der Unterschied zwischen den beiden ungarischen Begriffen?
Im Großen und Ganzen sind sie gleichwertig in Bezug auf Orts- und Zeitangaben. Da át wesentlich kürzer ist, wird es bevorzugt.

Ein kleiner aber feiner Unterschied soll an folgenden Beispielen erläutert werden:

A vonat Berlinből Bécsen át Pécsre megy. Der Zug fährt von Berlin über Wien nach Pécs.
A vonat Győrön keresztül megy. Der Zug fährt durch Győr hindurch.

In beiden Fällen liegen die Städte auf der Fahrstrecke des Zuges. Doch während der Zug in Wien hält, fährt er durch Győr einfach nur durch.

át entspricht also dem einfachen "durch", während keresztül dem deutschen "durch etwas hindurch" nahe steht.



Ein weiterer Unterschied zwischen beiden Postpositionen besteht bei den persönlichen Formen. Diese können nämlich nur mit keresztül gebildet werden - auf folgende Weise.

rajtam keresztül rajtad keresztül rajta keresztül rajtunk keresztül rajtatok keresztül rajtuk keresztül
durch mich hindurch durch dich hindurch durch ihn hindurch durch uns hindurch durch euch hindurch durch sie hindurch

Damit ist dann aber nur - und auch wirklich nur - eine körperlich durchdringende Handlung gemeint.

Der deutsche Witz...

"Was ging dem LKW-Fahrer als Letztes durch den Kopf? - Die Windschutzscheibe!"

...funktioniert im Ungarischen nicht, denn die Fragestellung mit Hilfe von át oder keresztül lässt keine andere Interpretation zu als die einer schmerzvollen Erfahrung.

Die Redewendung "sich etwas durch den Kopf gehen lassen" ist in der Art im Ungarischen nicht bekannt. Man sagt hier stattdessen: Meggondolom a dolgot.
Dies bedeutet in etwa wortwörtlich: "Ich werde die Sache überdenken."

Der Bedeutung von "durch" im Sinne von "Nur durch mich hast du es so weit geschafft" entspricht im Ungarischen die Postposition által oder auch das Suffix -tól/-től. Aber dazu mehr bei den Umstandsbestimmungen der Art und Weise.



Die restlichen oben erwähnten Postpositionen sollten keine Probleme darstellen. Es seien daher nur ein paar Beispiele für ihre Anwendung aufgezählt. Immer dran denken: das Objekt, auf das sie sich beziehen, muss mit dem Suffix -n/-on/-en/-ön versehen sein.


A Dunán innen Buda van, a Dunán túl pedig Pest. Diesseits der Donau ist Buda, jenseits der Donau befindet sich Pest.
A házon belül 23 fok van. Innerhalb des Hauses sind es 23 Grad.
A völgyön felül csak erdő van. Oberhalb des Tals gibt es nur Wald.
Egy folyó a városon alul folyik. Unterhalb der Stadt fließt ein Fluss.
Az Elbán végig minden el volt árasztva. Entlang der Elbe war alles überschwemmt.

An dieser Stelle sei einmal mehr daran erinnert: doppelte Konsonanten werden im Ungarischen länger artikuliert als einfache!
Das ungarische Wort innen (diesseits) ist bitte so auszusprechen, als würde man zwei "n" nacheinander sagen. Das i davor ist zwar kurz, wird deshalb trotzdem als "i" gesprochen und nicht halb verschluckt Richtung "ü" verfälscht.
Also: "in-nen".



Für die Bildung von Verben spielen einige jener eben behandelten Postpositionen eine Rolle, da sie dann als Präfixe (Vorsilben) auftauchen. Dazu an anderer Stelle mehr.

Außerdem kommt dem Wort túl noch eine weitere wichtige Bedeutung zu. Es wird als Kurzform für das Wort túlságosan benutzt, welches für "übertrieben", "übermäßig" steht.

Wenn also den Ungarn etwas zu lang, zu breit, zu kurz, zu teuer, zu langweilig, zu blöd erscheint oder sich sonst irgendwie jenseits aller rationalen Vorstellungen befindet, benutzen sie túlságosan oder einfach túl in Verbindung mit dem entsprechenden Eigenschaftswort:

túl(ságosan) sok zu viel
túl(ságosan) drága zu teuer

Aber auch dazu an anderer Stelle mehr.




Es folgen nun noch zwei Postpositionen, die unter Mithilfe von -val / -vel verwendet werden müssen.
Dieses Suffix entspricht unserem deutschen "mit" und seine Besonderheiten werden bei den Zeit-UB noch näher erläutert.

In den Wörterbüchern werden die beiden folgenden Postpositionen daher gekennzeichnet durch die Begriffe "valakivel / valamivel" (mit jemandem / mit etwas).

valakivel / valamivel együtt mit jemandem zusammen,
mit etwas zusammen
szemben jemandem gegenüber,
etwas gegenüber

Zwei Beispiele hierzu:

Velünk együtt neked nem történhet bajod. Mit uns zusammen kann dir nichts passieren.
Vele szemben óvatos lennek. Ihm gegenüber wäre ich vorsichtig.



Die Postposition valakivel / valamivel szemben ist übrigens - wie auch ihre deutsche Entsprechung "gegenüber" - eine Zusammensetzung.
Jedoch bedeutet szemben eigentlich "im Auge".

Aus diesem Grund ist zur Unterscheidung beider Sinngehalte das Suffix -val / -vel ins Spiel gekommen.
Ő (statt vele) szemben óvatos lennek. würde nämlich heißen: "In seinem Auge wäre ich vorsichtig."

Übrigens: valaki und valami werden zumeist abgekürzt als vki bzw. vmi.



Damit wären nun alle Suffixe und Postpositionen für die Ortsbestimmung erklärt und aufgelistet.
Zählen wir doch einmal nach, wie viele es denn nun genau sind:


Suffix / Postposition Fallname deutsche Entsprechnung
-ba/-be Illativ in + Akkusativ (Bewegung ins Innere)
-ban/-ben Inessiv in + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis im Inneren)
-ból/-ből Elativ aus + Dativ (Bewegung aus dem Inneren heraus)
-ra/-re Sublativ an, auf + Akkusativ (Bewegung auf die Oberfläche zu)
-n/-on/-en/-ön Superessiv an, auf + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis auf der Oberfläche)
-ról/ről Delativ von + Dativ (Bewegung von der Oberfläche weg)
-hoz/-hez/-höz Allativ zu (Bewegung in die unmittelbare Nähe von jemandem oder etwas)
-nál/-nél Adessiv bei, an + Dativ (Ruhe, Befinden oder Geschehnis in der unmittelbaren Nähe von jemandem oder etwas)
-tól/-től Ablativ von + Dativ (Bewegung von der unmittelbaren Nähe weg.)
elé ??? vor + Akkusativ
előtt ??? vor + Dativ
elől ??? vor + Dativ + weg
mögé ??? hinter + Akkusativ
mögött ??? hinter + Dativ
mögül ??? hinter + Dativ + hervor
fölé ??? über + Akkusativ
fölött ??? über + Dativ
fölül ??? über + Dativ + weg
alá ??? unter + Akkusativ
alatt ??? unter + Dativ
alól ??? unter + Dativ + weg, hervor
mellé ??? neben + Akkusativ
mellett ??? neben + Dativ
mellől ??? neben + Dativ + hervor
közé ??? zwischen + Akkusativ
között ??? zwischen + Dativ
közül ??? zwischen + Dativ + hervor
köré ??? um + Akkusativ + herum
körül ??? um + Dativ + herum
felé ??? zu, nach + Akkusativ; in Richtung + Genitiv
felől ??? von + Dativ; aus Richtung + Genitiv
vmin/vkin kívül ??? außer + Dativ
vmin/vkin belül ??? innerhalb + Genitiv
vmin/vkin innen ??? diesseits + Genitiv
vmin/vkin felül ??? oberhalb + Genitiv
vmin/vkin alul ??? unterhalb + Genitiv
vmin/vkin túl ??? jenseits + Genitiv
vmin/vkin át ??? durch, über + Dativ
vmin/vkin keresztül ??? durch, über + Dativ
vmin/vkin végig ??? entlang + Genitiv
vkivel/vmivel együtt ??? zusammen mit + Dativ
vkivel/vmivel szemben ??? gegenüber + Dativ

Wer für jene Fälle den passenden Namen weiß, bei denen hier nur Fragezeichen stehen, kann gern den Autor dieser Seiten kontaktieren.



Das sind nun sage und schreibe 42 UB nur allein für die Ortsverhältnisse.
Die Bestimmungen für Zeit sowie Art und Weise folgen erst noch. Doch tauchen viele jener Suffixe und Postpositionen der Ortsbestimmungen auch wieder in Bezug auf Zeit sowie Art und Weise auf.

"Hilfe, 42 Fälle!" mag wohl die überwiegende Mehrheit denken;

"Ausgerechnet 42 Fälle!" werden wohl nun alle Douglas-Adams-Fans denken, die in der 42 bekanntlich die Antwort auf alle Fragen sehen.

"Schwachsinn! 42 Fälle nur allein dafür!" sind wohl letzten Endes die Gedanken alle Sprachwissenschaftler, denen diese Zahl dann doch den geistigen Horizont sprengt.

Aber wie schon erwähnt:
Man muss zum Einen beim Erlernen der ungarischen Sprache seinen geistigen Horizont erweitern.
Zum Anderen ist in ungarischen Sprachlehrbüchern nie von Fällen oder Kasus die Rede sondern immer nur von Umstandsbestimmungen, die ich hier mit UB abgekürzt habe.

Wo wir Deutschen eine Präposition und den entsprechenden Fall dazu lernen müssen, packen die Ungarn einfach alles in eine Silbe oder ein Wort.
Und fertig ist der Fall - nach Meinung der Sprachwissenschaftler jedenfalls!



Im Englischen mag man sich zwar gar keine Fälle mehr merken müssen. Da aber neben diesen in der Entwicklung der Sprache oft auch noch andere Möglichkeiten zur Darstellung sprachlicher Feinheiten abhanden kamen, sind im Englischen die sogenannten "phrasal verbs" entstanden.

Ein Verb ändert also seine Bedeutung teilweise grundlegend, wenn es in Verbindung mit einer bestimmten Präposition, einem Substantiv oder Adjektiv verwendet wird.
Und auch das hinzugefügte Wort kann so von seiner ursprünglichen Bedeutung abweichen.

Am Beispiel von "get" sei dies einmal dargestellt.

get erhalten, bekommen, besorgen
get going in Gang bringen, in Schwung bringen
have got to müssen
don't get me wrong! Versteh mich nicht falsch!
get to know erfahren
get tired müde werden
get at herankommen, heranreichen
get off absteigen, aussteigen
get over über etwas hinwegkommen, sich erholen
get accross verständlich machen

Und das sind noch längst nicht alle möglichen Variationen von "get". Zugegeben, "get" mag ein extremer Fall sein, aber etwa zwei-Handvoll anderer englischer Verben machen nichts anderes!

Und da heißt es immer, Englisch sei doch eine einfache Sprache!
Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert übrigens die chinesische Sprache. Es ist aber noch keiner der führenden Leute auf die Idee gekommen, Chinesisch als einfach zu erlernende Sprache zu bezeichnen. Noch nicht!

Aber die Chinesen sind drauf und dran, zahlenmäßig die Überlegenheit zu erringen.

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