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Das Futur

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Die Zukunft im ZwiespaltBearbeiten

Mit der Zukunft ist es sehr oft eine zwiespältige Sache.

Man behauptet, in der Zukunft lesen zu können, vor allem besondern gern in der Werbung. Aber schon morgen ist die Zukunft von heute längst Vergangenheit. Jeder, der Ersatzteile für vor zwei Jahren gekaufte Geräte haben will, kann davon ein Lied singen.

Und dann heißt es doch immer wieder, die Zukunft gehöre doch der Jugend. Irgendwie hat man dann aber bei den Entscheidungsträgern den Eindruck, dass sie - trotz fortgeschrittenen Alters - sich selbst noch zur Jugend zählen. Man erinnert sich angesichts solcher Tatsachen dann an jene Zeiten, als das Parteikommittee der SED - Durchschnittsalter um die 70 - immer wieder das Lied anstimmte: "Wir sind die junge Garde..."



Deutsche, französische und englische ZukunftBearbeiten


Muss es einen da verwundern, dass auch in der Sprache die Zukunft nicht immer eindeutig als solche gekennzeichnet ist? Das liegt wohl vor allem daran, dass man gewisse Sachverhalte einfacher ausdrücken will.

So ist es am Ende auch nicht verwunderlich, dass für die Zukunft keine einfachen Formen mehr in unserer deutschen Sprache existieren. Im Französischen etwa existiert neben dem "Future compossé", das im Aufbau unserem deutschen Futur ähnelt, noch das "Future simple" das ohne Hilfsverben auskommt.

Es bleibt uns im Deutschen also nichts anderes übrig als auf das Hilfsverb "werden" zurück zu greifen.
Im Französischen dagegen lautet das entsprechende Hilfsverb "aller", zu deutsch: "gehen".
Im Englischen wiederum übernimmt "will" diese Funktion. Doch sind ebenso gern "going to"-Konstruktionen verbreitet - der jahrhundertelange Einfluss des Französischen lässt grüßen.



Meistens reicht schon der Gedanke in Form eines WortesBearbeiten

Nun kommt aber noch das Faktum hinzu, dass die Zukunft nicht immer grammatikalisch korrekt ausgedrückt wird. Während man da im Französischen sehr pingelig ist und jeden Vorgang, der in der Zukunft spielt, auch mit einer Zukunftsform ausdrücken muss, ist das Ganze im Deutschen und im Englischen stark aufgeweicht worden.

So reichen im Deutschen oft schon gewisse Umstandsworte aus, um dem Gedanken der Zukunft gerecht zu werden. Als Zeitform wird dann die Gegenwart benutzt.

Statt: "Morgen werde ich zu Hause bleiben", sagt man viel lieber: "Morgen bleibe ich zu Hause".

"Morgen" trägt bereits genug Zukunft in sich, so dass eine zusätzliche Hervorhebung gar nicht mehr nötig erscheint - Sprachpuristen zum Trotz.


Ja, und ausgerechnet bei der Zukunft lässt die Sprachdisziplin der sonst so logisch aufgebauten ungarischen Sprache stark zu wünschen übrig.

Auch das Ungarische hat keine einfachen Futurformen mehr sondern greift auf eine Kombination aus Hilfsverb und Vollverb zurück.

Und als ob das noch nicht alles wäre, werden diese Formen noch wesentlich seltener gebraucht als im Deutschen. Denn viel lieber noch als im Deutschen greift man im Ungarischen auf Umstandsworte zurück, die die Zukunft im Kern tragen. Und Doppelmoppelei ist im Ungarischen nun mal nicht üblich, zumindestens was Zeit- und Zahlangaben angeht. Ob dies auf den längeren Einfluss des Deutschen aufs Ungarische zurück zu führen ist?

Besonders beliebt ist bei den Ungarn dabei das Wörtchen majd. Man kann getrost sagen, dass es im Ungarischen die Zukunft schlechtin verkörpert.
Aber gehen wir es mal langsam an.

Das grammatikalisch korrekte FuturBearbeiten

Als Erstes nun also der Blick auf das grammatikalisch korrekte Futur im Ungarischen.

Wie schon erwähnt, setzt sich es sich aus zwei Teilen zusammen: das Hilfsverb, welches die Zukunft aufzeigt und dem Vollverb, dessen Handlung sich im Zukünftigen abspielen soll.

Jenes Hilfsverb lautet im Ungarisch fog. Da es ins Deutsche mit "werden" übersetzt wird, besteht hin und wieder die Gefahr, dass man es mit lesz verwechselt, welches ebenfalls "werden" bedeutet.



Der Unterschied zwischen fog und leszBearbeiten

Der Unterschied besteht darin, dass fog im Sinne von "werden" ausschließlich zur Bildung des Futurs benutzt wird, lesz dagegen hat die Vollverbfunktion von "werden" und wird NIE für das Futur benutzt. Es gibt allerdings einen Spezialfall, der im Folgenden noch genauer erläutert wird.

Allerdings darf man sich nicht wundern, wenn fog auch einmal als Vollverb auftaucht. Denn fog hat auch noch die Bedeutung von "greifen", "nehmen" und "packen". Davon leiten sich dann etwa Begriffe wie fogás oder fogas ab. Während die Variante mit dem langen á das "Gericht" oder den "Gang" in einer Menüfolge darstellt, ist fogas zum einen der "Kleiderhaken" in der Garderobe. Es kann aber auch der "Zander" - ein Fisch - sein.
Jede Menge Verwirrungen sind also vorprogrammiert.

Aber das sollte einen nicht gleich entmutigen. Man überlege sich mal, wie schwer es für einen Ausländer sein muss, aus der deutschen gesprochenen Sprache heraus zu hören, ob das Wörtchen "sie" nun eine dritte Person Einzahl oder Mehrzahl oder die Höflichkeitsform meint, und ob das alles nun nominativ oder akkusativ zu verstehen ist.



Die unbestimmte Konjugation des FutursBearbeiten

Das soll mal genügen, um das ungarische Hilfsverb der Zukunft zu beschreiben.

Wie sieht es nun mit dem Vollverb der ungarischen Zukunft aus?
Das sollte kein Problem darstellen. Wie auch im Deutschen taucht dieses in der Nennform auf und wird dem Hilfsverb in der Regel nachgestellt.

Da auch in der Zukunft nach Bestimmt- und Unbestimmtheit unterschieden wird, führe ich zunächst ein unbestimmtes Beispiel auf anhand des Verbes vár:

(én) fogok várni ich werde warten
(te) fogsz várni du wirst warten
(ő) fog várni er/sie/es wird warten
(ön, maga) fog várni Sie werden warten
(mi) fogunk várni wir werden warten
(ti) fogtok várni ihr werdet warten
(ők) fognak várni sie werden warten
(önök, maguk) fognak várni Sie werden warten


So schwer ist die ungarische Grammatik in diesem Fall also nicht.
Es sei an der Stelle noch einmal daran erinnert, dass man im Ungarischen bei den Höflichkeitsformen zwar nicht zwingend das Pronomen setzt, sehr wohl aber nach der Anzahl der Personen unterscheidet.



Die bestimmte Konjugation des FutursBearbeiten

Schauen wir uns nun das Ganze für die bestimmte Konjugation an:

(én) fogom várni ich werde es erwarten
(te) fogod várni du wirst es erwarten
(ő) fogja várni er/sie/es wird es erwarten
(ön, maga) fogja várni Sie werden es erwarten
(mi) fogjuk várni wir werden es erwarten
(ti) fogátok várni ihr werdet es erwarten
(ők) fogják várni sie werden es erwarten
(önök, maguk) fogják várni Sie werden es erwarten
foglak várni ich werde dich erwarten


Die Form in der letzten Zeile stellt einmal mehr jene Sonderform dar, die im Ungarischen üblich ist, wenn die Handlung von der 1.Person Einzahl an die 2.Person Einzahl gerichtet ist.


So, wie am Beispiel vár aufgezeigt, kann von allen Verben die Zukunft gebildet werden. Das einzige, was man korrekt wissen muss, ist die Infinitivform, die bei einigen wenigen Verben im Stamm einige Änderungen aufweist gegenüber den gebeugten Formen, sonst aber identisch ist mit der 3.Person Einzahl Gegenwart unbestimmter Konjugation PLUS Endung -ni.



Die Futurformen des Verbes vanBearbeiten

Eine Ausnahme stellt lediglich das Verb van dar. Wie schon in einem anderen Kapitel erwähnt, hat dieses Verb keine eigene Nennform. lenni wird ersatzweise dazu benutzt - was aber auch die Infinitivform von lesz - "werden" - darstellt, wie vorhin schon erwähnt.


Und da wirds nun verzwickt.
Theoretisch kann man die Zukunft von van mit Hilfe von fog + lenni ausdrücken. Theoretisch.
Praktisch aber ist das kaum üblich, weil es im Ungarischen sehr gestelzt klingt.

Weitaus üblicher dagegen ist es, einfach nur die Formen von lesz zu benutzen.

Én nem leszek ott. Ich werde nicht dort sein.
A férjemnek ma sok dolga lesz. Mein Mann wird heute viel zu tun haben.
Lesz időd? Wirst Du Zeit haben?

Mach also bitte nicht den Fehler und füge diesen Sätzen noch ein lenni an. Das wäre nur dann richtig, wenn statt der gebeugten Form von lesz die von fog stehen würde.

Aber wie schon gesagt: das ist nicht üblich. Ich will es hier daher auch nicht extra ausführen.



Das Futur ausgedrückt durch UmstandsworteBearbeiten

Damit wäre nun das grammatikalisch korrekte Futur hinreichend erklärt.

Tatsächlich aber wird auf diese Formen nur dann zurückgegriffen, wenn man das Zukünftige in der Handlung besonders betonen will.

Ansonsten aber greift man in die Trickkiste der Vereinfachungen, was im Deutschen ebenso der Fall ist. Die Zukunft wird dabei durch Zeitadverbien ausgedrückt - oder aber muss aus dem Kontext klar werden.

Tudom, hogy ő elkésik. Ich weiß, dass er sich verspäten wird.
Holnap Egerbe megyek. Morgen fahre ich nach Eger.
Este az előadáson leszek. Am Abend bin ich in der Vorstellung.


Wie schon erwähnt, sind die Ungarn hier noch wesentlich unkomplizierter als die Deutschen. Es reicht also aus, wenn der Satz durch bestimmte Worte den Gedanken an die Zukunft in sich trägt. Den Rest besorgt dann die Gegenwartsform des entsprechendes Verbes.



Ein Lieblingswort der Ungarn für Künftiges: majdBearbeiten

Noch viel einfach wird es, wenn man sich des Multitalents majd annimmt.
Denn dieses Wort drückt in Verbindung mit einer Gegenwartsform stets die Zukunft einer Handlung aus.

Wenn also im Ungarischen sehr oft von majd die Rede ist, gehts um die Zukunft und nicht etwa um ein junges weibliches Wesen.

Jól érezzük majd magunkat. Wir werden uns gut unterhalten.
Majd rosszul jár. Das wird schiefgehen.




Auch sehr gebräuchlich: majd als EinräumungBearbeiten

Sehr häufig findet majd auch Anwendung, wenn etwas Zukünftiges zwar in Aussicht steht aber nicht unbedingt sicher ist, also eine gewisse Einräumung ausgedrückt werden soll.
Im Deutschen umspielt man an dieser Stelle das Zukünftige gern mit dem Wort "schon".

Majd meglátjuk! Wir werden (schon) sehen!
Nem baj, majd jó lesz az. Keine Angst, das wird schon wieder gut.
Majd csinálom. Ich werde es (schon) noch machen!

Für stressgeplagte ungarische Mütter und Hausfrauen hat das Wörtchen majd also einen durchaus negativen Beigeschmack.



Tolle Aussichten alsoBearbeiten

Wie man also sieht, ist das Futur im Ungarischen eigentlich keine Schwierigkeit, vergleichbar dem, was wir aus dem Deutschen gewöhnt sind.

Wenn Du über den entsprechenden ungarischen Wortschatz verfügst, kannst Du Dein deutsches Sprachgefühl in der Hinsicht aufs Ungarische übertragen... und sogar noch etwas schlampiger in der Anwendung des grammatikalisch korrekten Futur sein, um nicht als überkorrekter Sprecher zu gelten.

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