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Der deutsche GenitivBearbeiten

Der Genitiv ist im Deutschen der Fall, der Zugehörigkeiten ausdrückt. Während Dativ und Akkusativ auf die Handlungen achten, ist beim Genitiv nur selten ein Verb ausschlaggebend. Zumeist ist es das Verhältnis zweier Substantive zueinander, die den Genitiv in Erscheinung bringen.

Die Frage im Deutschen nach dem Genitiv lautet "Wessen?"
Die entsprechenden Anpassungen der Geschlechter an den Fall sehen dann so aus:

Nominativ Genitiv
der; er des; sein
die; sie der; ihr
das; es des; sein
Mehrzahl: die; sie Mehrzahl: der; ihr


Der deutsche Genitiv taucht in drei Konstruktionsformen auf:

  • das Haus meiner Eltern
  • des Teufels General
  • Rudis Werkstatt

Der Besitzende steht also im Genitiv, der Besitz selber ist das Subjekt des Satzes.
Im ersten Beispiel steht der Besitz zuerst und es folgen der oder die Besitzer. Sowohl der Besitzer als auch der Besitz müssen hier durch einen Artikel oder etwa ein Possessivpronomen (mein, dein, sein...) ergänzt werden. Das für den Genitiv sonst typische -s tritt hier gar nicht in Erscheinung.

Im zweiten Fall wird zuerst der Besitzer genannt, der Besitz folgt in solchen Fällen stets OHNE Artikel. Das typische Genitiv-s taucht hier nur bei männlichen und sächlichen Substantiven in der Einzahl auf.

Im dritten Fall wird vor dem Besitzer der Artikel weggelassen, etwa bei Geschäftsbezeichnungen. In diesen Fällen muss dann in jedem Fall dem Besitzer - egal welchen Geschlechts - ein -s angehängt werden.
Bei solchen Konstruktionen steht der Besitzer nur in der Einzahl.

Das deutsche Genitiv -sBearbeiten

Markantestes Merkmal des Genitivs ist also sein typisches -s am Ende der Substantive - bei weiblichen Substantiven hängt dies von der Konstruktionsweise ab.
Nur in Fällen, wo das Genitiv-s Ausspracheprobleme verursacht, wird es weggelassen und durch einen Apostroph angedeutet:

Andreas' Bücher

Miskolc' Geschichte (Miskolc ist eine ungarische Stadt).

Ansonsten hat ein Apostroph hier nichts verloren! - Auch wenn sich diese Unart dermaßen verbreitet hat.



Verben und Präpositionen, die im Deutschen (eigentlich) den Genitiv verlangenBearbeiten

Der Genitiv wird im umgangssprachlichen Deutsch äußerst stiefmütterlich behandelt.
Zwar gibt es nur recht wenige Verben, die den Genitiv verlangen; etwa "bedürfen", "sich erinnern", "gedenken", "sich vergewissern", "sich schämen", "spotten", "sich anvertrauen", "sich annehmen".

Dafür aber ist die Zahl der Präpositionen, die den Genitiv verlangen, umso größer:
abzüglich, angesichts, anhand, anläßlich, anstatt, anstelle, aufgrund, außerhalb, bar, betreffs, bezüglich, binnen, dank, diesseits, eingedenk, einschließlich, entlang, exclusive, exklusive, fern, fernab, gemäß, hinsichtlich, hinsichts, inklusive, infolge, inklusive, inmitten, innerhalb, inwärts, jenseits, kontra, kraft, längsseits, laut, links, mangels, mitte, mittels, nah, rechts, seitwärts, statt, trotz, unbeschadet, unerachtet, unfern, ungeachtet, unterhalb, unweit, vermittels, vermöge, vorbehaltlich, während, wegen, zeit, zugunsten, zuseiten, zuzüglich, zwecks

Das Problem aber ist: die Deutschen sind zu faul geworden, sich des Genitivs anzunehmen. Lieber nimmt man sich dem Dativ an.
Das ist vielleicht ein Dorn im Auge vieler Sprachpuristen, aber so ist nun mal die Sprachentwicklung.
"Wessen Buch ist das?" hat nun mal weniger Wohlklang als "Wem gehört das Buch?".

Ebenso sagt man oft "wegen mir" statt "meinetwegen".


Überleben dank des Apostrophs...?!?Bearbeiten

Ganz aussterben wird der Genitiv allerdings nicht. Denn Konstruktionen wie "Vaters Haus", "Mutters Garten" etc. sind schon sehr einfach gestrickt und haben auch im Englischen überlebt.
Aber genau an dieser Stelle, wo man sich noch des Genitivs annimmt, hat sich seit den 1990er Jahren eine Unsitte breitgemacht, die wohl vor allem mit der Englisch-Verliebtheit vieler Gesellschaftsschichten zusammenhängt.

Es hat sich bei vielen Menschen eingebürgert, das Genitiv-s einfach per Apostroph abzutrennen.

So schreiben viele etwa:
"Gaby's neuer Freund ist Micha's Ex-Freund."

Auf die Frage, warum diese unnötigen Apostrophe gesetzt werden, kommt oft auch die Antwort: "Es sieht einfach schöner aus."
Nun ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Demzufolge müssten all diese Leute die stark apostrophierte französische Schriftsprache als Schönheitsgöttin empfinden!

Ganz grotesk aber wird es dann, wenn jedes -s am Wortende per Apostroph abgetrennt wird. Und das sind nicht immer bloß Genitiv-Endungen sondern oft auch Plural-Endungen oder einfach nur ein simples -s am Wortende wie in "nichts". Und diesen Schwachsinn hat man nicht aus dem Englischen importiert.
Der ist schlicht und einfach der Dummheit der Deutschen entsprungen!

Derartige Beispiele will ich hier nicht aufführen. Es hat genug Beispiele vor der eigenen Haustür, in Prospekten, Anzeigen etc.
Im Internet beschäftigt man sich auch schon heftigst mit diesem Thema, etwa auf den Seiten über die Apostrophitis oder der Apostroph-S-Hass-Seite



Wie tritt der Genitiv im Ungarischen in Erscheinung?Bearbeiten

Was haben es da die Ungarn gut.

Es existiert auch hier sowohl der aus dem lateinischen entnommene Begriff genitivus wie auch der ungarische Begriff birtokos eset - zu deutsch "Besitzfall". Doch werden diese Ausdrücke nie in Bezug auf die ungarische Sprache verwendet.
Denn das Ungarische kennt keinen Genitiv wie es im Deutschen (im wahrsten Sinne des Wortes) der Fall ist. Daher kann er auch nicht verunstaltet werden. Und Apostrophe tauchen im Ungarischen praktisch gar nicht auf. Es besteht anscheinend auch kein innerer Zwang sie einzusetzen, da praktisch alle Vokale akzentierte Ausführungen haben, Strichlein über den Wörter also zum normalen Satzbild gehören.

Allerdings ist - oder besser - sind die Arten und Weisen, wie man Besitzverhältnisse im Ungarischen ausdrücken kann, nicht mit einem Satz zu erklären.


Zunächst ein paar Beispiele dafür, was die Ungarn als Genitiv-Ersatz gefunden bzw. entwickelt haben:

a könyvem mein Buch
a kapud dein Tor
az órái seine Uhren
a szobánk unser Zimmer
az ajtaitok eure Türen
az idejük ihre Zeit
az iskola tanulói die Schüler der Schule
a betegek kezelése die Behandlung der Kranken
az orvosnak a munkája die Arbeit des Arztes
a testnek a részei die Teile des Körpers
Ez a ház az apámé. Dieses Haus gehört meinem Vater
A könyv az enyém. Das Buch gehört mir. /
Das Buch ist meines


Dem aufmerksamen Betrachter dürfte sich nun folgende Frage stellen:
Warum heißt einerseits "mein Buch" auf ungarisch a könyvem aber andererseits "Das Buch ist meines" dann A könyv az enyém?

Alles wird sich nach und nach klären...

Die Besitzerzeichen im UngarischenBearbeiten

Als Erstes ein Blick auf die sogenannten Besitzerzeichen, wissenschaftlich auch als "Possessivsuffixe" bezeichnet. Und da man allgemeinhin alles als Fall darstellt, was am Erscheinungsbild der Substantive und anderer Wortarten Veränderungen hervorruft, haben die Wissenschaftler diesen Suffixen einen eigenen Fall zugeordnet: den Possessiv.

Im Deutschen, wie auch im Englischen und vielen anderen indoeuropäischen Sprachen, existieren Possessivpronomen - Besitz anzeigende Fürwörter.
Die ungarische Sprache aber zieht es vor, derartige Ausdrücke statt durch eigenständige Worte lieber durch Suffixe auszudrücken. Diese Suffixe werden dann an die Wortstamm-Enden angehängt. Damit sind jene Formen gemeint, die auch bei der Plural- und Akkusativbildung zum Einsatz kommen.


Die Besitzerzeichen bei vokalischem WortauslautBearbeiten

Die Suffixe selber sehen so aus:

Einzahl Mehrzahl
1.Person -m -nk
2.Person -d -tok, -tek, -tök
3.Person -ja, -je -juk, -jük

Also alle Substantive, die einen Vokal im Auslaut haben, bekommen diese Suffixe einfach angehängt. Wie man sieht, wird in einigen Fällen vokalharmonisch angepasst.

Hier gilt nun wieder das, was schon für die Bildung von Plural und Akkusativ zu beachten war:
-a und -e im Auslaut werden zu -á- und -é-.

Beispiele:

kapu
(das Tor)

kifli
(der Kipfel)
szoba
(das Zimmer)
csésze
(die Tasse)
1.P.E. kapum kiflim szobám csészém
2.P.E. kapud kiflid szobád csészéd
3.P.E. kapuja kiflije szobája csészéje
1.P.M. kapunk kiflink szobánk csészénk
2.P.M. kaputok kiflitek szobátok csészétek
3.P.E. kapujuk kiflijük szobájuk csészéjük

Also:
szobám = mein Zimmer
csészéje = seine/ihre Tasse
kaputok = euer Tor
u.s.w.

Zwei Arten von Ausnahmefälle bei vokalischem AuslautBearbeiten

Auch hier gibt es Ausnahmeerscheinungen.
Einige wenige Worte, die auf bzw. enden, ändern in den 3.Personen jenen Endvokal in ein -a- oder -e-.

Beispiele:

ajtó
(die Tür)
idő
(die Zeit; das Wetter)
1.P.E. ajtóm időm
2.P.E. ajtód időd
3.P.E. ajtaja ideje
1.P.M. ajtónk időnk
2.P.M. ajtótok időtök
3.P.E. ajtajuk idejük

Auf jene Ausnahmefälle wird in den Wörterbüchern stets hingewiesen.



Eine weitere Ausnahme bilden die bereits bekannten v-Stämme. Die Anzeige des Besitzes geschieht hier auf folgende Weise.


(das Pferd)

(der See)
szó
(das Wort)
1.P.E. lovam tavam szavam
2.P.E. lovad tavad szavad
3.P.E. lova tava szava
1.P.M. lovunk tavunk szavunk
2.P.M. lovatok tavatok szavatok
3.P.E. lovuk tavuk szavuk

Da das hinzukommende v ein Konsonant ist und etwa -vm oder -vd schlecht aussprechbar ist, kommt hier ein Bindevokal ins Spiel.
Die daraus entstehenden Formen sind damit auch beispielhaft für alle Substantive, deren Auslaut konsonantisch ist.

Die Besitzerzeichen bei konsonantischem WortauslautBearbeiten

Wie also schon bei der Bildung von Plural und Akkusativ muss auch bei der Bildung der Besitzformen auf die Aussprechbarkeit geachtet werden. Will man sich bei konsonantisch auslautenden Worten nicht die Zunge verrenken, muss man auch hier wieder Bindevokale ins Spiel bringen. Die so modifizierten Besitzerzeichen sehen dann folgendermaßen aus:

Einzahl Mehrzahl
1.Person -om, -am,
-em, -öm
-unk, -ünk
2.Person -od, -ad,
-ed, -öd
-otok, -atok,
-etek, -ötök
3.Person -a, -e -uk, -ük


Wie man sieht, bietet sich für einige Personen eine enorme Fülle an Bindevokalen.
Auffallend ist aber auch der Wegfall des -j- in den 3.Personen im Gegensatz zu den vokalisch auslautenden Worten.

Auch dazu einige Beispiele:

ágy
(das Bett)
zseb

(die Hosentasche)

ismerős
(der/die Bekannte)
1.P.E. ágyam zsebem ismerősöm
2.P.E. ágyad zsebed ismerősöd
3.P.E. ágya zsebe ismerőse
1.P.M. ágyunk zsebünk ismerősünk
2.P.M. ágyatok zsebetek ismerősötök
3.P.E. ágyuk zsebük ismerősük

Ausnahmefälle bei konsonantischem WortauslautBearbeiten

Und all jene Substantive, welche Vokalverkürzungen oder -ausfälle und Ähnliches in der Pluralbildung aufweisen, machen das ganze auch bei den Besitzerzeichen mit.

kenyér

(das Brot)

terem
(der Saal)
teher
(die Last)
1.P.E. kenyerem termem terhem
2.P.E. kenyered termed terhed
3.P.E. kenyere terme terhe
1.P.M. kenyerünk termünk terhünk
2.P.M. kenyeretek termetek terhetek
3.P.E. kenyerük termük terhük



Bei den vokalisch endenden Worten tauchten bereits einige für die Besitzerzeichen spezielle Ausnahmen in den 3.Personen auf.
Ein ähnliches Fänomen tritt auch bei den konsonantisch auslautenden Worten auf, hier noch wesentlich häufiger.

Wie schon erwähnt fällt in den 3.Personen das -j- weg - normalerweise.
Doch eine ganze Reihe von Worten bevorzugt doch lieber ein Besitzerzeichen 3.Person mit einem -j-:


3.P.E. 3.P.M.
kalap (der Hut) kalapja kalapjuk
kert (der Garten) kertje kertjük
tyúk (das Huhn) tyúkja tyúkjuk
papír (das Papier) papírja papírjuk
szomszéd (der Nachbar) szomszédja szomszédjuk
pad (die Bank) padja padjuk



Es ist schwer hierfür Regeln aufzustellen.
Generell kann man aber sagen: Wörter mit Stammvokalverkürzungen oder -verlust beanspruchen nie ein -j- in der 3.Person.
Das gleiche gilt für alle Worte die auf diese Konsonanten enden:
h, j
gy, ly, ny, ty
c, cs, s, sz, z, zs


Es gibt aber auch Fälle, in denen beides möglich ist:


3.P.E. 3.P.M.
virág virága / virágja viráguk / virágjuk
újság újsága / újságja újságuk / újságjuk
fillér fillére / fillérje fillérük / fillérjük


Für all diese Fälle gilt: die Ausnahmen sind in den Wörterbüchern aufgeführt, indem hinter dem Wort nach dem Bindevokal für den Akkusativ ein "-ja" oder "-je" vermerkt ist.

Der Gebrauch der Artikel in Verbindung mit den BesitzerzeichenBearbeiten

Nachdem nun erst einmal klar sein sollte, wie die ungarischen Versionen der Possessivpronomen aussehen, folgt als nächstes ein wichtiger Hinweis für den Umgang solcher Besitzformen im Satzaufbau.

Vor Substantiven, die mit einem Besitzerzeichen versehen sind, wird (fast) immer der bestimmte Artikel gebraucht:

Itt a sarokban van az ágyam. - Hier in der Ecke ist mein Bett.

Alig kezdik el a munkájukat, szól a csengő. - Gerade fangen sie mit ihrer Arbeit an, als es klingelt.

Beginnt man einen Satz mit einem possessivierten Wort, dann wird oft der bestimmte Artikel weggelassen; ist aber kein Muss:

Városunk nem nagy, de kedves. - Unsere Stadt ist nicht groß aber hübsch.

In manchen Fällen ändert sich die Bedeutung eines solchen Satzes, wenn der bestimmte Artikel weggelassen wird:

Ő barátom. - Er ist einer meiner Freunde.

Ő a barátom. - Er ist mein Freund.

Ab und an taucht in solchen Fällen auch der unbestimmte Artikel auf. Er wird im Ungarischen nur recht selten verwendet, und zwar dann, um eine Sache unter mehreren hervorzuheben.

Egy barátom érkezik ma Berlinből. - Einer meiner Freunde kommt heute aus Berlin an.

Egy ablakunk a parkba néz. - Eines unserer Fenster geht zum Park hinaus.



Die Hervorhebung des Besitzers durch ein PersonalpronomenBearbeiten


Es gibt Situationen, da ist es ganz angebracht, wenn man den Besitzer als solchen hervorhebt. Im Ungarischen geschieht dies, indem der betreffenden Possessivform das entsprechende Personalpronomen vorangestellt wird:

Ez az én szobám, nem az öcsémé. - Das ist mein Zimmer und nicht das meines (jüngeren) Bruders.

Hier darf dann der bestimmte Artikel auch niemals weggelassen werden. Und was es mit dem bei öcsémé auf sich hat, wird später noch in diesem Kapitel erklärt.


Eine kleine Ausnahmeerscheinung hierbei bildet die 3.Person Mehrzahl.

3.Person Einzahl az ő szobája sein/ihr Zimmer
3.Person Mehrzahl az ő szobájuk ihr Zimmer



Es wird also in der 3.Person Mehrzahl nicht ők sondern auch nur ő gebraucht.
Diese Ausnahmeregelung gilt grundsätzlich für alle Fälle, in denen eine 3.Person der Mehrzahl hervorgehoben werden soll.

Die Besitzerzeichen in Verbindung mit dem AkkusativBearbeiten

Weiterhin gilt:
Alle Worte mit Besitzerzeichen sind Nominativformen!

Werden solche Worte nun zum direkten Objekt eines Satzes, müssen sie in die Akkusativform gebracht werden. Dies ist aber nicht weiter schwierig.
Das Akkusativsuffix wird je nach Vokalismus in Form eines -at / -et angefügt.
Für die 3.Person Einzahl ist natürlich kein Bindevokal notwendig. Hier folgt das -t direkt dem Besitzerzeichen - und wieder gilt eine bereits bekannte Regelung:
-ja, -a bzw. -je, -e werden durch Anfügen eines Suffix zu -já, -á bzw. -jé, -é.

Beispiele:

hibámat hibádat hibáját hibánkat hibátokat hibájukat
meinen Fehler deinen Fehler seinen Fehler unseren Fehler euren Fehler ihren Fehler


termemet termedet termét termünket termeteket termüket
meinen Saal deinen Saal seinen Saal unseren Saal euren Saal ihren Saal


Und hier zeigt sich dann auch, wie wichtig es ist, auf die genaue Aussprache der Laute zu achten. Denn ein zu kurz oder zu lang gesprochener Laut gibt dem Wort eine andere Bedeutung.

Die folgende Tabelle enthält auf der linken Seite die reinen Akkusative und auf der rechten Seite die Akkusativformen der 3.Person Einzahl für die gleichen Substantive:

a termet den Saal a termét seinen Saal
a vendéget den Gast a vendégét seinen Gast
a lovat das Pferd a lovát sein Pferd
a kenyeret das Brot a kenyerét sein Brot

Ebenfalls zu beachten ist, dass mit Besitzerzeichen versehene Substantive bestimmten Charakter haben; daher muss das zugehörige Verb im Satz mit der bestimmten Konjugation gebeugt werden. Aber dazu an anderer Stelle mehr.



Die besondere Kennzeichnung des MehrbesitzesBearbeiten

Das war allerdings noch nicht alles in puncto Besitzerzeichen.
Denn mit den bisherigen Formen kann immer nur der einfache Besitz ausgedrückt werden, also dass jemand oder mehrere Leute EINE Sache (gemeinsam) besitzen.

Nun gibt es aber Dinge, die man in mehrfacher Ausfertigung besitzt, oder zumindestens besitzen kann.

Von der Logik getrieben würde man nun sagen:
Kein Problem. Die Bildung der Mehrzahl mit Hilfe des Suffixes -k ist doch bekannt. Also frisch ans Werk..."

Ganz schnell wieder vergessen!!!

Denn der Mehrbesitz wird im Ungarischen mit Hilfe des Suffixes -i- ausgedrückt. Dieses -i- wird einfach zwischen Stammform und Besitzerzeichen eingeschoben. Daher die zwei Bindestriche!

Und so unglaublich es nun auch klingen mag, aber auch hier wird wieder zwischen konsonantisch und vokalisch auslautenden Worten unterschieden.

Mehrbesitz bei vokalischem WortauslautBearbeiten

Bei vokalisch auslautenden Stämmen ist es ganz einfach. Hier wird das -i- direkt ans Wortende angefügt.
Muss man eigentlich noch betonen, dass auch hier wieder die Regel gilt: aus -a wird und aus -e wird ?

Diesem -i- folgt dann das entsprechende Besitzerzeichen ohne Bindevokal.
Nur in den 3.Personen gibt es eine Abweichung. Hier wird kein Besitzerzeichen angefügt.
In der Einzahlform bildet das -i dann den Auslaut, in der Mehrzahlform folgt ihm lediglich ein -k, was dann gewissermaßen auf die Mehrzahl hinweist.
Es ist verwirrend: es folgen in der 3.Person Mehrzahl beim Mehrbesitz zwei unterschiedliche Mehrzahlendungen aufeinander.

autóim meine Autos szobáim meine Zimmer
autóid deine Autos szobáid deine Zimmer
autó

i

seine Autos szobái seine Zimmer
autóink unsere Autos szobáink unsere Zimmer
autóitok eure Autos szobáitok eure Zimmer
autóik ihre Autos szobáik ihre Zimmer


Jene Worte auf und , welche in den 3.Personen in Verbindung mit Besitzerzeichen ihren Endvokal in -a- bzw. -e- ändern, tun dies bei der Mehrzahlform konsequent in allen Personen. Als Beispiele hier die Formen von ajtó und szülők.

ajtaim meine Türen szüleim meine Eltern
ajtaid deine Türen szüleid deine Eltern
ajtai seine Türen szülei seine Eltern
ajtaink unsere Türen szüleink unsere Eltern
ajtaitok eure Türen szüleitek eure Eltern
ajtaik ihre Türen szüleik ihre Eltern

Und immer dran denken: ein deutsches "ei" gibt es im Ungarischen nicht.
Also spicht man szüleim etwa so aus: "ßüüle-im" - und nicht etwa "ßüülaem".

Der Mehrbesitz bei konsonantischem WortauslautBearbeiten

Bei den konsonantisch endenden Worten könnte man doch eigentlich ähnlich verfahren können. Denn das -i- bildet mit jedem Konsonanten eine aussprechbare Form.
Aber vielleicht wäre durch ein "házim" für "meine Häuser" nicht deutlich genug zu hören, wessen Häuser es sind oder aber das ganze hätte nicht genug Wohlklang.
Somit wird hier noch ein Bindevokal zwischen Endkonsonant und -i- eingefügt, je nach Vokalismus ein -a- oder -e-.

Hier nun als Beispiel die Formen von asztal und kéz:

asztalaim meine Tische kezeim meine Hände
asztalaid deine Tische kezeid deine Hände
asztalai seine Tische kezei seine Hände
asztalaink unsere Tische kezeink unsere Hände
asztalaitok eure Tische kezeitek eure Hände
asztalaik ihre Tische kezeik ihre Hände


Man erinnere sich:
eine ganze Reihe von Worten mit Konsonant im Auslaut hat statt eines -a oder -e bzw. -uk oder -ük als Besitzerzeichen der 3.Personen lieber ein -ja oder -je bzw. -juk oder -jük.
Und dieses "-j-" taucht beim Mehrbesitz nun konsequent bei jeder Person auf:

Als Beispiele hierfür die Formen der Worte kalap und kert.

kalapjaim meine Hüte kertjeim meine Gärten
kalapjaid deine Hüte kertjeid deine Gärten
kalapjai seine Hüte kertjei seine Gärten
kalapjaink unsere Hüte kertjeink unsere Gärten
kalapjaitok eure Hüte kertjeitek eure Gärten
kalapjaik ihre Hüte kertjeik ihre Gärten



Und all jene Worte, die bei Mehrzahlbildung ihren Wortstamm ändern, bilden die Formen des Mehrbesitzes in analoger Weise.
Als Beispiele seien hier szó und teher aufgeführt.

szavaim meine Worte terheim meine Lasten
szavaid deine Worte terheid deine Lasten
szavai seine Worte terhei seine Lasten
szavaink unsere Worte terheink unsere Lasten
szavaitok eure Worte terheitek eure Lasten
szavaik ihre Worte terheik ihre Lasten

Die Hervorhebung des oder der mehrfach BesitzendenBearbeiten

Auch beim Mehrbesitz ist es selbstverständlich möglich, den Besitzer entsprechend hervorzuheben, indem man ein Personalpronomen voransetzt:

az én papírjaim meine Papiere
a te könyveid deine Bücher
az ő fiai seine/ihre Söhne
a mi szüleink unsere Eltern
a ti rokonaitok eure Verwandte
az ő barátaik ihre Freunde


Auch hier gilt wiederum: in der 3.Person Mehrzahl wird nur ő statt ők verwendet.

Und natürlich können auch den Mehrzahlbesitzformen andere Suffixe angehängt werden, etwa das für den Akkusativ:

Anna megmutatja a fényképeit. - Anna zeigt ihre Fotos.

Aber auch die Suffixe der Ortsbestimmung können zugefügt werden.

Zu diesen Suffixen aber an anderer Stelle mehr.

Das Besitzverhältnis im UngarischenBearbeiten

Damit wäre erst einmal geklärt, wie im Ungarischen Besitzanzeigen ausgedrückt werden, für die wir im Deutschen die Possessivpronomen heranziehen. Wie aber sehen nun jene Sätze aus, die unseren deutschen Genitiv-s-Objekt-Sätzen entsprechen?

Angenommen, man will sagen:

die Worte des Textes
die Häuser der Stadt
die Dummheit der Menschen etc.

... dann wäre es doch toll, wenn es auch hierfür ein eindeutiges Suffix im Ungarischen gäbe, wie man es vom Dativ und Akkusativ her kennt.

Kein Genitiv-Suffix im UngarischenBearbeiten

Nun ja, mit etlichen Suffixen kann die ungarische Sprache aufwarten, aber mit einem Genitiv-Suffix ausgerechnet nicht.
Um aber trotzdem derartige Ausdrücke benutzen zu können, wie sie eben aufgeführt wurden, werden sogenannte Besitzverhältnisse gebildet, die man so auch im Deutschen kennt und als "beifügenden Genitiv" bezeichnet.

Dabei wird die Ausdrucksweise, wie wir sie aus der deutschen Schriftsprache kennen, auf den Kopf gestellt. Denn als erstes folgt in einem solchen Besitzverhältnis immer der Besitzende. Dieser stünde im Deutschen im Genitiv. Im Ungarischen aber steht er entweder im Nominativ oder im Dativ.
An zweiter Stelle folgt der Besitz, also das in Besitz befindliche Objekt. Im Deutschen stünde dieser im Nominativ. Im Ungarischen wird es mit einem Besitzerzeichen der 3.Personen versehen - jenachdem, ob es sich nun um Einbesitz oder Mehrbesitz handelt.


Das Besitzverhältnis anhand eines BeispielsBearbeiten

Es folgen nun die möglichen Konstruktionen eines Besitzverhältnisses am Beispiel von író (der Schriftsteller) als Besitzer und könyv (das Buch) als Besitzwort:


ein Schriftsteller,
ein Buch
az író könyve
oder
az írónak a könyve
das Buch des Schriftstellers
mehrere Schriftsteller,
ein Buch
az írók könyve
oder
az íróknak a könyve
das Buch der Schriftsteller
ein Schriftsteller,
mehrere Bücher
az író könyvei
oder
az írónak a könyvei
die Bücher des Schriftstellers
mehrere Schriftsteller,
mehrere Bücher
az írók könyvei
oder
az íróknak a könyvei
die Bücher der Schriftsteller

Noch einmal der Hinweis: die Wortfolge in umgekehrt zu der, die wir im deutschen Genitiv kennen.

Ganz so ungewohnt ist diese Art und Weise aber doch wieder nicht.
Denn in einigen Mundarten sagt man zum Beispiel: "dem Schriftsteller sein Buch".
Das ist zwar stilistisch nicht ganz einwandfreies Deutsch, aber es ist grammatikalisch okay.


Das Wort des Besitzenden kann auch Besitzerzeichen erhalten.

az írónk könyve oder az írónknak a könyve - das Buch unseres Schriftstellers

Will man nun noch besonderen Nachdruck auf jenes Besitzerzeichen legen, stellt man das entsprechende Personalpronomen voran:

a mi írónk könyve oder a mi írónknak a könyve - das Buch unseres Schriftstellers

Übrigens, auch hier wird wieder deutlich, dass kleine Abweichungen bei der Aussprache die Bedeutung ändern können:

az írók - die Schriftsteller
aber
az írónk - unser Schriftsteller



Wann Nominativ und wann Dativ für den Besitzer?Bearbeiten

Für die eben aufgezählten Beispiele gilt ja, dass sie in jeweils zwei Formen genannt wurden, nämlich in der einfachen Form mit dem Besitzenden im Nominativ oder aber der Dativform. Wo liegt nun der Unterschied zwischen diesen Formulierungen?

Grundsätzlich gilt: beide sind gleichwertig.
Allerdings ist die Bildungsweise mit der Dativform die ursprüngliche und auch vielfältiger einsetzbar.

Die einfachere Form mit dem Besitzer im Nominativ ist eine Vereinfachung in der Sprachentwicklung. Sie kann nur dann benutzt werden, wenn auf das Wort des Besitzenden unmittelbar das Besitzwort folgt. Aus dieser - und nur aus dieser - Reihenfolge geht dann die Zusammengehörigkeit jener Wörter eindeutig hervor.

Sobald aber ein anderes Wort zwischen Besitzer und Besitz tritt, muss der Besitzer in der Dativform erscheinen.

A szobámnak kicsik az ablakai. - Die Fenster meines Zimmer sind klein.

Will man hier die einfachere Form benutzen, muss der Satz daher lauten:

A szobám ablakai kicsik.


Ebenfalls mit der Dativform versehen werden muss der Besitzende, wenn er mit einem Frage- oder Demonstrativpronomen in Verbindung steht:

Ennek az orvosnak a rendelőjében sok beteg vár. - Im Wartezimmer bei diesem Arzt warten viele Patienten.

Hierbei ist ennek das Pronomen. Es entsteht folgendermaßen:

ez az orvos - dieser Arzt
ez + nek = ennek = bei diesem
ennek az orvosnak - bei diesem Arzt.

Auffällig ist hierbei, dass das Suffix -nak/-nek = "bei" sowohl dem Pronomen als auch dem Objekt angefügt wird. Derartige Bildungen mit Hilfe von Suffixen werden an anderer Stelle ausführlicher behandelt.


Wie schon erwähnt ist die Satzstellung im Ungarischen recht variabel. Und so kann auch bei einem Besitzverhältnis die Reihenfolge der Worte vertauscht werden - und somit der deutschen Reihenfolge entsprechend konstruiert werden.
Aber auch hier gilt dann: das Besitzerwort muss im Dativ stehen.

Az arca a betegnek sápadt. - Das Gesicht des Patienten ist blass.

Die einfache Form müsste dann lauten: A beteg arca sápadt. oder Sápadt a beteg arca.

Man steht also als Deutscher vor der Entscheidung: entweder einfachere Wörter aber dafür verdrehte Sätze oder etwas kompliziertere Worte mit dafür dann sehr freier Satzstellung.

Des weiteren empfiehlt es sich, die Dativform zu benutzen, wenn dem Besitzer mehrere Besitzworte zugeordnet sind, um seine Bedeutung hervorzuheben.

Gábor bácsi apámnak öccse, nem bátyja. - Onkel Gabor ist der jüngere Bruder meines Vater, nicht der ältere.

Der Gebrauch des bestimmten ArtikelsBearbeiten

Es fällt auf, dass beide Bildungsformen sich in der Benutzung der Artikel unterscheiden.

az írónk könyve

az írónknak a könyve

A beteg arca sápadt.
Az arca a betegnek sápadt.


Grundsätzlich gilt dabei: das Wort des Besitzers erhält stets einen Artikel.
Lediglich bei Orts- und Personennamen verzichtet man darauf.

Budapest utcái - die Straßen von Budapest
Magyarország fővárosa - Ungarns Hauptstadt


Weiterhin gilt: steht das Wort des Besitzers im Dativ, dann wird dem Besitzwort für gewöhnlich ein Artikel vorangestellt. Es kann aber auch darauf verzichtet werden, wenn das Besitzwort unmittelbar dem Wort des Besitzers folgt:

A kávénak illata is, ize is kitűnő. - Duft und Geschmack des Kaffees sind vorzüglich.

Diese Formulierung wirkt etwas gewählter - auch im Deutschen.
Man lese sich in Gedanken den Satz noch einmal vor, diesmal mit Artikeln vor "Duft" und "Geschmack".


Steht dagegen der Besitzer im Nominativ, dann erhält das Besitzwort grundsätzlich keinen Artikel.


Noch eine Besonderheit bei den Besitzverhältnissen.
Nicht selten kommt es vor, dass mehrere Besitzer JE EINEN Besitz haben, der aber kein gemeinsamer Besitz sein kann. In diesem Fall steht das Besitzwort in der Einzahl, es darf also kein -i- enthalten:

A betegek arca sápadt. - Die Gesichter der Kranken sind blass.

A vendégek kalapja és kabátja a fogason van. - Die Hüte und Mäntel der Gäste sind am Kleiderhaken.


Damit wäre nun auch die ungarische Entsprechung von Genitivkonstruktionen á la

die Worte des Textes
die Häuser der Stadt
die Dummheit der Menschen

geklärt.


Übrigens lauten die ungarischen Ausdrücke hierfür in der gleichen Reihenfolge:
a szövegnek a szavai
a városnak a házai
az embereknek a butasága

Besitzerzeichen versus BesitzzeichenBearbeiten

Bleibt immer noch die Frage nach folgendem bereits eingangs erwähnten Unterschied offen:

Warum heißt einerseits "mein Buch" auf ungarisch a könyvem aber andererseits "Das Buch ist meines." dann A könyv az enyém.?

Nun, es gibt neben den Besitzerzeichen, die den deutschen Possessivpronomen entsprechen, noch ein sogenanntes Besitzzeichen.


Dazu zunächst ein paar Beispielsätze:

Ez a ház a szüleimé. - Dieses Haus gehört meinen Eltern.
Ezek a könyvek Péteréi. - Diese Bücher gehören Peter.
Bátraké a szerencse. - Den Mutigen gehört die Welt.

Beim letzten Beispiel handelt es sich um eine sinngemäße Übersetzung. Denn im Ungarischen gehört den Mutigen nicht die Welt sondern das Glück.


All jene Beispielsätze haben nun gemeinsam, dass sie die Zugehörigkeit einer bestimmten Sache zu jemandem ausgedrücken.
Das Verb "gehören" existiert nämlich im Ungarischen nicht.
An seine Stelle tritt das Suffix , das dem Besitzer der Sache angehängt wird.
Es ist nicht zu leugnen, dass diese Konstruktion doch um einiges kürzer ist als im Deutschen.



Auch die Frage nach der Zugehörigkeit fällt entsprechend kurz aus:
Kié? - Wem gehört?

Kié ez a labda a szobámban? - Wem gehört dieser Ball in meinem Zimmer?

Bitte daran denken: im Ungarischen gibt es nur ein "langes i", nämlich das í.
Also wird auch ein e nach einem i als eigener Laut artikuliert; das Fragewort wird also wie "Ki-eh?" ausgesprochen.


Da liegt nun der Schluss nahe, dass das Suffix "" vielleicht doch so etwas wie ein ungarisches Genitiv-Suffix ist.

Dem ist aber nicht ganz so. Denn man kann einem Besitzer nur dann jenes "" anfügen, wenn der Besitz bereits bekannt ist und nicht mehr wiederholt werden muss.

Es besteht außerdem ein kleiner aber feiner Unterschied:

Kié ez a labda? - Wem gehört dieser Ball?
aber
Kinek a labdája ez? - Wessen Ball ist das?

Allerdings wird weder in der deutschen noch in der ungarischen Umgangssprache dieser Unterschied als bedeutend empfunden. Beide Fragen werden gleichwertig benutzt.
Es steht aber außer Zweifel, dass die Kié?-Frage einfacher zu formulieren ist.



Das Besitzzeichen in der MehrzahlformBearbeiten

Natürlich gibt es für das Besitzzeichen auch eine Pluralform. Diese lautet -éi.

Will man nun nach dem Besitzer mehrerer Dinge fragen, hat man - wie auch schon beim einfachen Besitz - zwei Möglichkeiten.
Im vorliegenden Beispiel soll nach den Besitzern mehrerer Bücher gefragt werden.

Entweder formuliert man eine Frage mit Kiéi? und benutzt die Besitzworte im Nominativ:

Kiéi ezek a könyvek?

Oder aber man benutzt statt Kiéi? das Fragewort Kinek? - die Frage nach dem Dativ. Sie wird sowohl für den Singular als auch den Plural verwendet.
Dann aber muss das Besitzwort entsprechend der bereits bekannten Aufbauweise von Besitzverhältnissen mit einem Besitzerzeichen versehen werden:

Kinek a könyvei ezek?

Letztere Form ist gebräuchlicher im Ungarischen, da der Umgang mit den Besitzerzeichen ja gewissermaßen im Blut liegt.


Die Antwort allerdings erfolgt auf eine solche Dativkonstruktion wieder mit Hilfe des Suffix -éi.

A szomszédainkéi. - Unseren Nachbarn.

Übrigens ein wunderbares Beispiel, an dem man die ungarische Verliebtheit in Suffixe und damit den Willen studieren kann, möglichst alle Informationen in ein Wort zu packen:

szomszéd = der Nachbar
-ai- = mit Bindevokal versehenes Suffix für die Mehrzahl des Besitzers "Nachbar"
-nk- = Suffix für "unser"
-éi = Mehrbesitzzeichen

Also zu deutsch etwa: "der Nachbarn unsere ihre."
Zu kompliziert?
Naja, wenn man sich da mal hineingefressen hat, dürfte es kein Problem mehr bereiten.



Die persönlichen BesitzpronomenBearbeiten

Wird nun aber nach der Zugehörigkeit einer Sache gefragt, die einem selbst gehört, wird man ganz bestimmt nicht mit seinem eigenen Namen antworten sondern etwa sagen: "Das ist meines." oder "Das sind meine."

Genauso machen das auch die Ungarn und benutzen dafür die persönlichen Besitzpronomen. Diese sind wie auch die persönlichen Formen von Dativ und Akkusativ abgeleitet von den Personalpronomen. Und so sehen sie aus:

Einbesitz
én ich enyém (das) meine; meins
te du tied oder tiéd (das) deine; deins
ő er, sie, es övé (das) seine/ihr; seins, ihres
mi wir mienk oder miénk (das) unsere; unseres
ti ihr tietek oder tiétek (das) eure; eures
ők sie övék (das) ihre; ihres


Mehrbesitz
én ich enyéim (die) meinen; meine
te du tieid oder tiéid (die) deinen; deine
ő er, sie, es övéi (die) seinen/ihren; seine, ihre
mi wir mieink oder miéink (die) unseren; unsere
ti ihr tieitek oder tiéitek (die) euren; eure
ők sie övéik (die) ihren; ihre


Bei einigen Formen sind zwei Möglichkeiten gegeben.
Bevorzugt werden in der Regel die -é-Formen in der Einzahl und die -e-Formen in der Mehrzahl.

Es handelt sich übrigens um wunderbare Beispiele, anhand derer man die korrekte Aussprache der ungarischen Vokale üben kann.
Wie schon erwähnt: es gibt im Ungarischen keine Zweilaute "ie" oder "ei", wie wir Deutschen es kennen.
Jeder Vokal wird einzeln ausgesprochen und stellt eine eigene Silbe dar.
Das Wort tieitek besteht also aus vier Silben: ti-e-i-tek.

Klingt komisch? Na umso besser!


Dazu nun ein paar Beispiele:

Kié ez a könyv? Wem gehört dieses Buch?
Az enyém. Es gehört mir. / Es ist meines.
A tied ez a ceruza vagy Gáboré? Gehört dieser Bleistift dir oder Gábor?
Nem az enyém, hanem az övé. Er gehört nicht mir sondern ihm.
Kinek a füzetei ezek? Wem gehören diese Hefte?
Ezek az enyéim. Die gehören mir.

Im vorletzten Satz hätte man auch fragen können:

Kiéi ezek a füzetek?
Die Antwort wäre aber auch wieder:

Ezek az enyéim.

Der kleine aber feine Unterscheid zwischen "mein" und "das meine"Bearbeiten

Und spätestens jetzt werden viele Deutsche Probleme bekommen. Denn für die meisten dürfte der Unterschied etwa zwischen "mein" und "das meine" nicht sehr deutlich sein, weil sich die Worte sehr ähnlich sind. Im Ungarischen wird hier aber sehr genau unterschieden.

Die Übersetzung von "meine Hand" lautet also NIEMALS az enyém kéz sondern immer a kezem oder az én kezem.

Als Hilfestellung kann man sich merken:
sobald man in einem Satz eine Besitzanzeige wie "mein" durch "es gehört mir" ersetzen kann, benutzt man "enyém".
Ansonsten muss stets das Besitzerzeichen "-om, -am, -em, -öm" genutzt werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist folgendes:

Az életem az enyém! - Mein Leben gehört mir! / Mein Leben ist meines.

Diese Unterscheidung beherrschen übrigens auch die Engländer:

"My life is mine."

Zwar sind "my" und "mine" in der Aussprache recht ähnlich, aber sie stellen genau jenen Unterschied dar, der im Ungarischen recht krass ausfällt.

ZusammenfassungBearbeiten

Damit wären nun alle ungarischen Entsprechungen des deutschen Genitivs erläutert. So viel Information schreit nach einer Zusammenfassung:


Es gibt also im Ungarischen zunächst einmal die sogenannten Besitzerzeichen oder auch Possessivsuffixe, die unseren deutschen Possessivpronomen entsprechen.

Sie werden stets an den Wortstamm angehängt, und zwar an jene Form, die für die Bildung des Akkusativs von Bedeutung ist, wobei es ja Formen mit Stammvokalverkürzung und -ausfall oder zum Beispiel auch die v-Stämme gibt.

Ferner sind die Formen der 3.Personen bei manchen Wörtern abweichend, weil sich entweder der Vokal im Auslaut ändert oder aber ein -j- eingesetzt wird, wo der Regel nach eigentlich keins hingehört.
All diese Fälle sind in guten Wörterbüchern dokumentiert.

Nennt man mehrere Dinge sein Eigen, dann tritt zwischen Wortstamm und Besitzerzeichen ein -i- bei vokalisch auslautenden Worten bzw. ein -ei- oder -ai- bei konsonantisch auslautenden.

Soll der Besitzer hervorgehoben werden, wird vor dem Besitzwort noch das entsprechende Personalpronomen eingeschoben.


Für all jene Fälle, in denen nicht mit Hilfe von Possessivpronomen ein Besitzverhältnis dargestellt werden kann sondern Namen und Bezeichnungen benötigt werden, verwendet das Ungarische den beifügenden Genitiv, der nichts anderes ist als eine Dativkonstruktion, die auch im Deutschen umgangssprachlich verwendet wird.

Dabei wird die deutsche Wortfolge des Genitivs im Ungarischen umgedreht:
der Besitzer steht zuerst - entweder im Nominativ oder im Dativ -, und es folgt der Besitz mit einem Besitzerzeichen der 3.Person entsprechend seiner Anzahl.

Wird diese direkte Wortfolge von Besitzer und Besitz aufgehoben, muss der Besitzer in der Dativform stehen, um die Zugehörigkeit zum Besitzverhältnis zu wahren.


Wird in einem deutschen Satz das Verb "gehören" benutzt oder eine ihm gleichwertige Genitiv- oder Dativkonstruktion, dann kommt im Ungarischen das Besitzzeichen zum Zuge, dass einerseits dem Fragewort und andererseits dem Besitzer angehängt wird.
Alternativ zum Namen des Besitzers mit dem Suffix können auch die Personalpronomen in der entsprechend abgewandelten Form benutzt werden. Diese Formen dürfen aber nur im Sinne von "gehören" benutzt werden, aber niemals als Possessivpronomen!

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